Der Mannheimer OB Peter Kurz weiht das neue islamische Gräberfeld auf dem Hauptfriedhof der Stadt ein.

Mannheim schätzt seine Vielfalt und begreift sie als Chance. Wenn in der Nähe der Innenstadtquadrate Muslime und Christen ohne Probleme in direkter Nachbarschaft beten, wenn in der Mannheimer Synagoge muslimische Hochzeiten und Beschneidungsfeste stattfinden, wenn in Mannheim die erste deutsche Bankfiliale für gläubige Muslime eröffnet wurde und es hier den ersten muslimischen Kindergarten gibt, der sich mit einer städtischen Krippe die Räume teilt, dann ist es nur folgerichtig, dass auch die Friedhöfe Mannheim es sich zum Ziel gesetzt haben, dass alle Menschen ihren religiösen oder kulturellen Vorstellungen entsprechend in Mannheim beerdigt werden können. Auf dem Hauptfriedhof gibt es deshalb bereits seit den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts ein islamisches Gräberfeld, das jetzt – auf Grund des knapp gewordenen Raumes auf dem ursprünglichen – um ein zweites Bestattungsfeld erweitert wurde.

In Anwesenheit des Attachés für Religiöse Angelegenheiten im Generalkonsulat der Republik Türkei, Mustafa Akpınar, und Vertretern muslimischer Gemeinschaften hat Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz das neue islamische Grabfeld auf dem Hauptfriedhof jetzt eingeweiht.

„Friedhöfe sind Orte der Trauer und Besinnung, sie verbinden Generationen und sie verkörpern auch ein Gefühl von Heimat. Es ist ein gutes Zeichen, dass unsere muslimischen Mitbürger Mannheim als ihre Heimat sehen, was auch in der Wahl des Ortes der letzten Ruhestätte für ihre Angehörigen zum Ausdruck kommt. Wir leben in Mannheim in einer multikulturellen Gesellschaft. Wir haben viele positive Maßnahmen und Programme entwickelt, die in der Stadt ein von Respekt und Offenheit geprägtes Miteinander stärken. Dass wir die Möglichkeit für eine Beerdigungskultur gemäß der eigenen Religion und Kultur schaffen können, ist für mich eine weitere, bedeutende Integrationsleistung“, erläutert Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz.

Individuelle Bestattungsmöglichkeiten

Bis Ende 2010 gab es auf dem islamischen Gräberfeld des Mannheimer Hauptfriedhofs insgesamt etwa 140 Bestattungen. 2011 wurde eine erste Erweiterung der Fläche notwendig, weil die Nachfrage stieg. Die Friedhöfe Mannheim haben im Dialog mit muslimischen Vertretern über Wünsche und Anforderungen für ein neues Gräberfeld gesprochen. Zu den Anforderungen an ein solches gehört die Ausrichtung der Grabstellen gen Mekka genauso wie eine „ewige Ruhezeit“, die in Mannheim zunächst durch die Verleihung eines 50-jährigen Nutzungsrechts gewährleistet wird. Ende März verabschiedete der baden-württembergische Landtag mit den Stimmen aller Fraktionen ein neues Bestattungsgesetz. In jenen Fällen, in denen die Religionszugehörigkeit eine Bestattung ohne Sarg vorsieht, können die Verstorbenen jetzt künftig auch gesetzeskonform in Leinentüchern erdbestattet werden. Die Stadt Mannheim hat darüber hinaus auch finanzielle Unterstützung beim Bau eines Wasch-und Gebetsraumes zugesagt. 200 000 Euro wurden dazu in den Haushalt für einen Bau in 2015 eingestellt. (mannheim.de/dtj)