Die Haga Sophia in Istanbul.

Die Bundesregierung hat sich zurückhaltend zu den Plänen der türkischen Regierung geäußert, die Hagia Sophia in Istanbul in eine Moschee umzuwandeln. Eine signifikante Statusänderung würden alle, für die die Hagia Sophia ein wichtiges Bauwerk sei, mit Bedauern zur Kenntnis nehmen, so eine Sprecherin des Bundesaußenministeriums am Mittwoch in Berlin. Die türkische Regierung habe sich aber bislang aufgeschlossen gegenüber den Rechten der christlichen Minderheit gezeigt. Deswegen vertraue die Bundesregierung darauf, dass die Türkei die notwendige Sensibilität zeigen werde.

Die türkische Regierung prüft regierungsnahen Medienberichten zufolge Wege zur Umwandlung der Hagia Sophia in Istanbul in eine Moschee. Demnach sollen christliche Mosaiken und Fresken in dem als Kirche errichteten byzantinischen Bau nur mehr in den Morgenstunden für Touristen zu sehen sein. Vor dem Mittagsgebet sollten Fresken und Mosaiken dann mit Hilfe einer speziellen Lichttechnik abgedunkelt werden. Die Rückumwandlung in eine Moschee solle kurzfristig am 30. Mai vollzogen werden, heißt es.

Nach Gründung der türkischen Republik 1923 wurde die Hagia Sophia zum Museum erklärt, in dem religiöse Riten verboten sind. In den vergangenen Monaten hatte sich unter anderem Vizepremier Bülent Arınç für die Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee ausgesprochen.

Der Bau aus dem sechsten Jahrhundert fungierte rund tausend Jahre als Reichskirche der Byzantiner und nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen im 15. Jahrhundert als wichtigste Istanbuler Moschee des Osmanischen Reiches. Heute gehört die Hagia Sophia zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Istanbuls.

Derweil hält sich Patriarch Bartholomäus I. zu einem mehrtägigen Besuch in Deutschland auf. Am Mittwoch kam er in Berlin außer mit Kanzlerin Merkel mit Bundespräsident Joachim Gauck und Bundestagspräsident Norbert Lammert zusammen. Thema der Gespräche war auch die Lage der Christen in der Türkei. Bartholomäus würdigte die Rolle Deutschlands in der Welt. Der Bundeskanzlerin dankte Bartholomäus I. für ihre Besuche am Sitz des Ökumenischen Patriarchats in Istanbul, die eine „besondere Unterstützung für dieses und seinen ökumenischen, weltweiten Dienst“ bedeutet hätten. (kna/dtj)