Am „Europäischen Tag der Jüdischen Kultur“ haben der Oberrabbiner der türkischen Juden Heleva und Gemeindemitglieder der Galata Neva Schalom Synagoge für die Türkei und Erdoğan gebetet.

In der Türkei, Deutschland und in weiteren 28 Ländern wird jährlich der „Europäische Tag der Jüdischen Kultur“ gefeiert. Der Aktionstag wurde 1999 ins Leben gerufen und das diesjährige Leitthema war „Frauen im Judentum“. Die jüdische Gemeinde in Istanbul nutzte den Tag, um mit einem Gebet ihre Anteilnahme am Tod der drei am Samstag in Hakkari gefallenen türkischen Soldaten.

Bei den Feierlichkeiten in der Istanbuler Galata Neva Schalom Synagoge wurde zudem für die Türkei und den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan ein Bittgebet gesprochen. Wie türkische Medien berichteten sagte der Synagogenbeauftragte am 26. Oktober 2014: „Bei einem hinterlistigen Angriff sind drei unserer Soldaten als Märtyrer gefallen. Wir erinnern uns an sie und bitten Gott um Gnade für sie. Auch für das Wohl des verehrten Präsidenten der Türkei Recep Tayyip Erdoğan wollen wir beten. Wir werden in den nächsten Tagen das 91 jährige Jubiläum der türkischen Republik begehen. Wir wünschen, dass dieses Datum unserer ganzen Nation gute und gesegnete Tage bringen wird. Wie der Gründer der Republik Atatürk es ausdrückte, wird die Türkische Republik bis in alle Ewigkeit bestehen.“

In der Galata Neva Schalom Synagoge wurde im Rahmen des „Europäischen Tag der Jüdischen Kultur“ die Hochzeit des jüdischen Ehepaars İris und Eran, die bereits vor zwei Wochen offiziell geheiratet hatten, wiederholt, um die jüdische Kultur und Tradition vorzustellen.

„Wir bitten Gott um Gnade für die als Märtyrer gefallenen Soldaten“

Der Oberrabbiner der Juden in der Türkei, İzak Haleva (Foto), steckte der Braut den Ehering an den Finger. Nach den offiziellen Reden beteten Haleva und die anwesenden Gemeindemitglieder für die Türkei und den neugewählten Präsidenten Erdoğan. An der Veranstaltung nahmen auch mehrere Bürgermeister teil.

Die Juden gelten als religiöse Minderheit in der Türkei. Die jüdische Gemeinde in Istanbul besteht zum größten Teil aus sephardischen Juden, die im 15. Jahrhundert von Spanien an den Bosporus geflohen sind und sich dort eine neue Existenz aufbauen konnten. Grundlage dafür war, dass der osmanische Herrscher Sultan Bayezid II. den Juden Spaniens zu Zeiten der Reconquista einen Platz in der osmanischen Gesellschaft Istanbuls per Dekret erwirkte.

In seiner ereignisreichen politischen Karriere ist Erdoğan wegen seiner scharfen Kritik an Israels Palästina-Politik und wegen seiner harten Rhetorik gegenüber dem internationalen Finanzwesen, die sehr oft verschwörungstheoretische Züge annahm, mehrmals mit dem Vorwurf des Anti-Semitismus konfrontiert worden.