Türkisches E-Auto TOGG.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan hat vergangene Woche den Prototypen des neuen E-Autos vorgestellt. Während sich viele auf das erste türkische Auto freuen, sind andere skeptisch. Kritisiert wird vor allem das aus Italien stammende Design. Doch viele übersehen dabei ein kleines Detail. 

„Heute erleben wir einen historischen Tag für unser Land, erleben, wie ein Traum von 60 Jahren wahr wird“, sagte Staatspräsident Erdoğan vor einer breiten Masse bei der Vorstellung des neuen Elektroautos „TOGG“. Eine solche türkische Automarke ist ein langgehegter Wunsch des Präsidenten. Die Türkei verdiene schließlich „Besseres, als die Autos anderer Hersteller zusammenzusetzen“. In den 1960er Jahren war ein erster Versuch der Türkei mit einer Eigenmarke, dem „Devrim“, gescheitert.

In einem am letzten Freitag im Staatsanzeiger veröffentlichten präsidialen Dekret heißt es, dass der Wagen in der nordwesttürkischen Stadt Bursa hergestellt werden soll. Bis zu 175 000 Autos sollen dort jährlich gebaut werden. Das Investitionsvolumen beträgt demnach 22 Milliarden Lira (rund 3,3 Milliarden Euro). Die Regierung unterstützt das Projekt finanziell. Es ist auch die Rede von Garantien für die Abnahme von 30 000 Elektroautos bis Ende 2035.

Türkisches Auto als politisches Instrument

Der „TOGG“, wie das Auto vorläufig heißt, ist also in vielerlei Hinsicht besonders. In der Türkei wird aber seit der Vorstellung des Prototypen kontrovers über das Thema debattiert. Viele sehen lediglich ein politisches Manöver, um die Massen zu besänftigen, und kritisieren die starke auslandslastige Produktion. Das Auto sei von einer italienischen Firma gestaltet und der Prototyp sei dort hergestellt worden. Demnach sei der TOGG gar kein „türkisches“ Auto und werde nur zu Popularitätszwecken von der türkischen Regierung vorgestellt. Tatsächlich stammt das Design von der italienischen Designschmiede Pininfarina. Der Einfluss der Firma wird besonders deutlich, wenn man sich den „Pininfarina K350 Concept“, vorgestellt im April 2018, ansieht.

TOGG2022                                                          Pininfarina K350 Concept

Türkischer Designer Murat Günak gestaltet TOGG

Der Pininfarina K350 Concept weist tatsächlich eine starke Ähnlichkeit zum TOGG auf. Allerdings saßen im Team bei Pininfarina auch der deutsch-türkische Designer Murat Günak mit im Boot, der zu den begehrtesten Autodesignern weltweit gehört und in Deutschland schon Einfluss auf viele Automodelle hatte. Befürworter des türkischen E-Autos verweisen gerne auf Günak. Ein weiterer türkischer Mitwirkender ist Can Bayar, der auch bei Tesla gearbeitet hat.

CHP-Bürgermeister von Istanbul gibt Großbestellung auf

Trotz vieler Gegner des E-Autos zeigt sich ein wichtiger Teil der politischen Opposition dem Projekt gegenüber wohlgesonnen. Der Bürgermeister von Istanbul, Ekrem İmamoğlu (CHP), lobte auf Twitter das Projekt. „Wir sind bei allen Dingen dabei, bei denen Verstand und Wissenschaft vertreten sind“, so der Oberbürgermeister. Er sei stolz auf das Projekt. „Um die Elektroproduktion zu unterstützen, werden wir als Stadt Istanbul eine Großbestellung aufgeben. Ich bedanke mich im Namen meines Landes bei all denjenigen, die sich an dem Projekt beteiligt haben“, schrieb İmamoğlu weiter. Viele lobten diesen überraschenden, weil unerwarteten Vorstoß.