Der Amsterdamer Unternehmer Abdelaziz Aouragh sieht in Muslimen ein großes wirtschaftliches Potenzial. Die Muslime stellten weltweit unter der weberelevanten Zielgruppe der Mitte 20-Jährigen den größten Anteil, was besonders „attraktiv für langfristige Markenkampagnen“ sei, sagte der 34-Jährige der „Welt“ (Freitag). Seine Agentur „Pure“ berät westliche Firmen, die in muslimische Märkte vordringen wollen. Diese bestünden aus 1,8 Milliarden potenziellen Kunden.

Die Gruppe der jungen Muslime sei gegenüber technischen Neuerungen sehr aufgeschlossen und sorge bei Aktionen wie dem von Händlern in Großbritannien organisierten „Ramadan Rush“ für Umsatzanstiege von bis zu 60 Prozent, so Aouragh. Die Aktion soll während des muslimischen Fastenmonats Kunden anziehen, die vor allem Luxuskleidung kaufen. Aouragh sieht darin ein ähnliches Potenzial für Kaufhäuser wie bei Sonderverkäufen etwa an Halloween, Ostern oder dem Valentinstag.

Den Begriff „halal“, arabisch für „erlaubt“, würden viele Menschen mit Fleisch und Alkoholverbot verbinden. Dabei stehe dieser Begriff für einen „Lifestyle, der wie ein roter Faden durch das Leben eines Muslims verläuft“, so Aouragh. Darüber wüssten viele Firmen bislang zu wenig.

Gegenüber dem muslimischen Markt herrsche oftmals Skepsis, so der Unternehmer weiter. „Firmen verbinden meist eine negative mediale Berichterstattung mit dieser Zielgruppe“ und hätten Angst um ihr Stammkundschaft, wenn ihnen vorgeworfen werden könnte, zu einer „Islamisierung der Gesellschaft beizutragen“. Firmen, die diese „Grenzen überqueren und sich gedanklich breiter aufstellen“, könnten davon profitieren, so Aouragh. (KNA/dtj)