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Die Nazi-Jäger

Die Nazi-Jäger

Unter dem Motto „Spät. Aber nicht zu spät! Operation Last Chance II“ appellieren die Aufrufe an die Bevölkerung: „Einige der Täter sind frei und am Leben! Helfen Sie uns, diese vor Gericht zu bringen.“ Insgesamt werden zwei Wochen lang Plakate in Berlin, Hamburg und Köln aufgehängt. Für sachdienliche Hinweise ist eine Belohnung von bis zu 25 000 Euro ausgesetzt. Der Initiator der Kampagne, Efraim Zuroff (Foto), schätzte die Zahl der noch lebenden Nazi-Verbrecher in Deutschland auf 60 bis 120. Die Gesuchten sind vermutlich um die 90 Jahre alt oder noch älter und konnten nach dem Krieg ungestraft davonkommen.

Es sei mittlerweile in Deutschland leichter geworden, Nazi-Verbrecher aufzuspüren, sagte Zuroff zum Auftakt der Kampagne in Berlin. Nach der Verurteilung von Iwan Demjanjuk in München 2011 habe sich die Rechtsprechung geändert. Jetzt genüge der Nachweis, dass Menschen in Vernichtungslagern und mobilen Mordkommandos Dienst getan hätten. Vorher habe jedem zumindest ein spezifisches Verbrechen an einem bestimmten Menschen nachgewiesen werden müssen.

Das Simon-Wiesenthal-Zentrum kämpft weltweit gegen Rassismus, Antisemitismus, Terrorismus und Völkermord und setzt sich offiziell für die Förderung von Toleranz ein. Bekannt wurde es durch die weltweite Suche nach untergetauchten Nazi-Verbrechern und Kollaborateuren. Wiesenthal wirkte entscheidend an der Ergreifung Adolf Eichmanns mit. Die Menschenrechtsorganisation wurde 1977 von Rabbi Marvin Hier in Los Angeles gegründet, wo auch ihr Hauptsitz ist. Das Zentrum ist nach dem österreichischen Juden Simon Wiesenthal (1908-2005) benannt.

In der NS-Zeit verlor Wiesenthal, der selbst in fünf Konzentrationslagern inhaftiert war, durch den Holocaust insgesamt 89 Familienangehörige und forschte nach dem Zweiten Weltkrieg weltweit nach den Tätern. (dpa/dtj)

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