Nicht weniger als 1000 Anwälte werden in einem symbolischen Akt für die Sache der am 11. Februar in der Mittelmeerprovinz Mersin brutal ermordeten Özgecan Aslan eintreten, wenn am heutigen Freitag die erste Anhörung im Prozess gegen den Tatverdächtigen beginnt. Die verbrannte Leiche der 20-Jährigen wurde zwei Tage nach ihrem Tod in einem Flussbett gefunden, nachdem ein Minibusfahrer sie getötet hatte. Die Tat hatte eine Welle der Empörung ausgelöst, die die gesamte Türkei erfasste.

Neben den 1000 Anwälten aus der gesamten Türkei werden auch Vertreter mehrerer Nichtregierungsorganisationen und Menschenrechtsgruppen zum ersten Verhandlungstag am 1. Strafgerichtshof für schwere Straftaten in Tarsus erwartet.

Der Vorsitzende der Anwaltskammer von Mersin, Alpay Antmen, erklärte, 600 Anwälte hätten Ansuchen um Autorisierung hinsichtlich des Verfahrens eingereicht und ihre Zahl soll zusammen mit jenen Anwälten, die am 12. Juni zur Anhörung erscheinen werden, auf 1000 ansteigen.

„Es ist unmöglich, all diese Anwälte in den Gerichtssaal zu lassen, aber sie werden im Gerichtsgebäude anwesend sein“, erklärte Antmen. „Die Vereinigung der Türkischen Anwaltskammern und ihre Frauenrechtskommission, mehrere Anwaltskammern und Frauenrechtsgruppen werden ebenfalls zur Anhörung kommen.“

Selbstverständlich, so Antmen, werden auch die Angeklagten nicht daran gehindert werden, ihre Plädoyers an das Gericht zu richten. „Wir denken, sie werden einen fairen Prozess erleben und bestraft werden, wie die Tatvorwürfe es verlangen.“

Nur der Onkel wird die Familie von Özgecan vertreten

Vor Gericht erscheinen werden Ahmet Suphi Altındöken, der Minibusfahrer, der den Mord an Aslan bereits gestanden hat, dessen Vater Necmettin Altındöken, 50, sowie der 20-jährige Freund des Tatverdächtigen, Fatih Gökçe, die beide als mutmaßliche Komplizen in Untersuchungshaft sitzen.

Die Eltern des Opfers, Mehmet Aslan und Söngül Aslan, werden Berichten zufolge nicht an der Anhörung teilnehmen, die Familie wird voraussichtlich von Yaşasın Aslan repräsentiert werden.

Der Beginn der Verhandlung war für 9 Uhr angesetzt, im Umfeld des Gerichtsgebäudes wurden umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen veranlasst.

Die Anklage, die am 14. April eingereicht wurde, fordert eine verschärfte lebenslange Haftstrafe für Altındöken wegen „Mordes aus niedrigen Beweggründen“, „Mordes zur Vertuschung einer anderen Straftat“, „versuchter Vergewaltigung“ und „Freiheitsberaubung mit sexueller Motivation“.

Auch Vater und Freund des Tatverdächtigen sollen lebenslang hinter Gitter

Sein Vater und sein Freund sollen ebenfalls lebenslang hinter Gitter, wenn es nach der Anklage geht. Diese lautet in ihrem Fall auf „Mord und Folter aus niedrigen Beweggründen“, „Vertuschung eines Mordes und dazugehöriger Beweismittel“ und „Mord zur Vertuschung einer Straftat“.

Özgecan Aslan wurde am 11. Februar von Altındöken ermordet, nachdem er den Bus, in dem sich die junge Frau als letzter Fahrgast befand, entgegen ihrem Willen in einen Wald steuerte.

Aslan wurde am gleichen Tag als vermisst gemeldet, zwei Tage später wurde ihre verbrannte Leiche in einem Flussbett im Bezirk Tarsus gefunden.

Während seiner Vernehmung bei der Gendarmerie gestand Altındöken, versucht zu haben, die junge Frau zu vergewaltigen und diese erstochen und mithilfe seiner Mitangeklagten verbrannt zu haben, nachdem sein Vergewaltigungsversuch fehlschlug.