In Oberfranken hat die Polizei eine furchtbare Entdeckung gemacht: In einem Haus im nordbayerischen Landkreis Kronach fand sie sieben Babyleichen. Rechtsmedizinische Untersuchungen müssten nun zeigen, ob es möglicherweise noch mehr tote Körper sein könnten, sagte eine Polizeisprecherin am Freitag. Die Leichen seien in einem schlechten Zustand. Bei dem Fund dürfte es sich um einen der schlimmsten Fälle dieser Art in den vergangenen Jahren in Deutschland handeln.

Die Leichen fand die Polizei demnach in der Wohnung einer 45 Jahre alten Frau in Wallenfels. Sie konnte bislang noch nicht angetroffen und befragt werden. Ob sie als dringend tatverdächtig gilt, wollte die Sprecherin zunächst nicht sagen. „Nach ihr wird zumindest gesucht als mögliche Mutter der Kinder.“

Die Polizei hielt sich zu den persönlichen Details der Frau zunächst bedeckt. Zuvor hatten mehrere Medien über das möglicherweise heikle familiäre Umfeld berichtet.

Die gefundenen Körper werden seit Freitagmorgen obduziert. Die Untersuchungen der Rechtsmediziner sollen frühestens Anfang nächster Woche Aufschluss darüber geben, wie lange die Kinder bereits tot sind, welches Geschlecht sie haben und woran sie gestorben sind.

Mittlerweile wurde die Ermittlungsgruppe „Schlossberg“ gegründet. „Es sind noch sehr viele Personen zu befragen und es erfolgen auch weitere Durchsuchungsmaßnahmen“, sagte die Polizeisprecherin dazu. Dabei soll vor allem das Anwesen selbst noch genauer unter die Lupe genommen werden. „Unter Umständen kommen auch noch andere Objekte dazu“, so die Sprecherin. Es werde jetzt alles, was möglich ist, so zeitnah wie möglich gemacht.

Die sterblichen Überreste der Säuglinge waren am Donnerstagnachmittag bei einem Notarzteinsatz gefunden worden. Der Notarzt war nach Polizeiangaben explizit wegen der Babyleichen und nicht wegen eines anderen Notfalls gerufen worden. Eine Anwohnerin hatte ihn demnach alarmiert.

Internationale Funde von mehreren toten Babys 

Es geschieht immer wieder, dass gleich mehrere tote Neugeborene entdeckt werden. Beispiele für internationale Fälle:

Eine Frau aus dem französischen Dorf Villers-au-Tertre nahe der belgischen Grenze gesteht 2010, acht ihrer Neugeborenen erstickt und auf zwei Äckern vergraben zu haben.

In einer Garage in Pleasant Grove im US-Bundesstaat Utah werden 2014 sieben Babyleichen in Pappkartons gefunden. Die Polizei geht davon aus, dass die Kinder in den vergangen zehn Jahren von der Frau getötet wurden, die dort früher lebte.

Im Keller eines Wohnhauses im nordfranzösischen Valognes werden 2007 sechs verweste Babyleichen entdeckt. Der neue Partner der Mutter war durch den Geruch aufmerksam geworden.

In einem Lagerraum in der kanadischen Stadt Winnipeg werden 2014 sechs tote Babys entdeckt. Die Leichen sind unterschiedlich stark verwest.

Polizisten finden im März 2015 im Haus einer Familie im französischen Louchats südlich von Bordeaux fünf Babyleichen. Ein totes Kind lag in einer Kühltasche, vier in einem Gefrierschrank.

In einem Haus im österreichischen Graz werden 2005 vier Babyleichen gefunden: zwei in Plastikkübeln einbetoniert, zwei in einer Tiefkühltruhe. (dpa)