Terim verabschiedet sich nach einem Ligaspiel am 12. April von den heimischen Fans. Galatasaray hat sich am Dienstag von dem Starcoach getrennt.

Überraschenderweise entlässt Galatasaray seinen Meistertrainer Fatih Terim. Der 19-malige türkische Meister deutete bereits gestern durch Klub-Präsident Ünal Aysal an, dass „in den nächsten Tagen eine Entscheidung im Fall Terim erforderlich sei“, weil dieser eine Vertragsverlängerung abgelehnt habe. Am selben Tag verkündete der Champions-League-Teilnehmer jedoch noch die sofortige Trennung von Terim, dessen dritte Amtszeit bei Galatasaray somit beendet ist.

Der Konflikt zwischen Aysal und Terim hatte seinen Ursprung in den Verhandlungen über die Verlängerung seines zum Sommer auslaufenden Vertrages. Von Klubseite wurde dem 60-jährigen Trainer ein neuer Kontrakt über zwei Jahre angeboten, Terim beharrte jedoch auf einer nur einjährigen Verlängerung seines Engagements. Terims Reaktion stieß bei der Chefetage auf Unmut, da diese die Planungssicherheit des Vereins in Gefahr sah.

Steckt die Nationalmannschaft hinter der Trennung?

Die ersten Anzeichen auf ein angespanntes Verhältnis zwischen Aysal und Terim sind auf die Rückkehr des Galatasaray-Coachs auf den Nationaltrainerposten der Türkei zurückzuführen. Der „Imparator“ – so wird er im Volksmund genannt – coachte seit einigen Wochen seinen Verein und die türkische Nationalmannschaft in Doppelfunktion. Der Klub sagte dem türkischen Fußballverband hinsichtlich des Engagements seines Trainers zwar vorübergehende Unterstützung zu, schloss aber ein längeres Engagement über Mai 2014 aus. Nach der Vertragsauflösung verdichten sich nun jedoch die Anzeichen, dass Terim gerne langfristig die Verantwortung für die türkische Nationalelf übernehmen wolle.

Auch in seiner dritten Amtszeit erfolgreich gewesen

Bei den Fans der „Löwen“ löste die Vertragsauflösung große Empörung aus. Sie wollen es nicht wahrhaben, dass man sich vom Trainer trennte, der in beiden Jahren den Meisterschaftspokal nach Florya holte und einen großen Anteil daran hat, dass die Champions-League-Hymne in der Türk-Telekom-Arena erklingt. In der Königsklasse sorgte Terim für Furore, als er mit Galatasaray bis ins Viertelfinale vorstieß und sich dort erst dem Starensemble von Real Madrid geschlagen geben musste. Nicht zu vergessen ist der Gewinn des UEFA-Cups in der Saison 1999/00 als Höhepunkt der ersten Galatasaray-Amtszeit Terims. Im Anschluss an den bisher einzigen internationalen Pokalsieg einer türkischen Mannschaft wechselte der Starcoach damals zum AC Florenz.

Fans stärken Terim den Rücken

Hunderte Galatasaray-Fans machten sich am gestrigen Abend nach der Bekanntgabe von Terims Entlassung auf den Weg zum Trainingsgelände des Vereins, wo sie ihrem Unmut über die getroffene Entscheidung Luft verschafften. Dabei wurden auch Rufe nach einem Rücktritt des Vorstands laut. Im Anschluss fuhren die Anhänger gemeinsam vor das Haus von Terim, wo sie ihren „Imparator“ mit Lobeshymnen huldigten. Der Meistertrainer kam vor die Tür, um sich von seinen Fans zu verabschieden und erlebte emotionale Momente, bei denen sogar erste Tränen flossen. Eine Stellungnahme zu seinem Abschied liegt noch nicht vor.

Große Namen im Gespräch

Nun sucht Galatasaray nach einem Ersatz für den scheidenden Trainer. Im Gespräch für die Terim-Nachfolge sollen bereits Roberto Mancini, Roberto di Matteo und Jupp Heynckes sein. Die Tendenz geht also dahin, dass ein ausländischer Trainer mit internationaler Erfahrung das Ruder übernimmt. Di Matteo (Chelsea, 2012) und Heynckes (Bayern, 2013) führten in den letzten beiden Jahren ihre Mannschaften zu Champions-League-Titeln und Mancini gelang die lang ersehnte englische Meisterschaft mit Manchester City im Jahr 2012. Favorisiert wird der Ex-Trainer der „Citizens“, da Heynckes bereits das Ende seiner Trainerkarriere verkündete. Auch Ex-Trainer Mircea Lucescu, der Terim 2000 schon einmal bei Gala beerbte, werden Chancen eingeräumt.