von DTJ

Mitte Dezember im vergangenen Jahr. Kein gewöhnlicher Fußballabend in der Istanbuler Vodafone Arena. Ein Novum in der türkischen Fanszene bot das türkische Pokalspiel zwischen Besiktas Istanbul und Kayserispor. Hier starteten rivalisierende Fangruppen am 14.12.2016 eine für türkische Verhältnisse unvorstellbare Aktion. Schulter an Schulter standen Fans von Besiktas, Galatasaray, Fenerbahce und Trabzonspor an jenem Ort, wo am 10.12.2016 zwei Bomben explodierten. So wollten die Fans Einheit gegen den Terror beweisen.

„Rivalität hin oder her – heute stehen wir zusammen“ erklärte ein euphorisierter Fan damals.

In den vergangenen Jahren hat es immer wieder Auseinandersetzungen zwischen den unterschiedlichen Fangruppen gegeben, bei dem es sogar vereinzelt Tote gab. So wurde vor wenigen Jahren bei einer Meisterschaftsfeier von Galatasaray Istanbul ein unbeteiligter Fenerbahce Fan auf einer Brücke in Istanbul brutal niedergestochen.

Das alles sollte nach dem Terroranschlag auf die Polizisten End vergangenen Jahres vergessen werden. Serdar Urhan aus Istabul ist selber Galatasaray-Fan. Der Anschlag hatte ihn schockiert:

„Es spielt gar keine Rolle, um welche Mannschaft es ging. Es hätte ja genauso gut bei uns passieren können. Das ist einfach nur grauenhaft. Rivalität hin oder her, heute stehen wir alle zusammen.“

Auch viele andere Fans schließen sich der Aktion an. So erlebte die Vodafone Arena am 14.12.2016 einen bunten Abend, den es sonst in dem Ausmaß nicht einmal bei Begegnungen der türkischen Nationalmannschaft gegeben hatte.

Ob der Zusammenhalt zwischen den Fans von Dauer ist? Das fragten sich viele Experten und Sportjournalisten damals. In den sozialen Netzwerken sendeten Fans gegenseitige Friedensbotschaften. Ali Riza Seker, Mitglied der bekannten Besiktas Fan-Gruppe Carsi, bezweifelte aber damals die Beständigkeit dieser Freundschaft. „In der Türkei hat es auch schon vorher Anschläge gegeben. Für eine kurze Zeit hielt man zusammen und dann fingen die Streitigkeiten wieder an. Ich glaube leider nicht daran, dass der Hass unter den Fangruppen dadurch verschwindet.“

Heute, ein halbes Jahr nach dem feigen Anschlag auf unschuldige Polizisten, ist die Atmosphäre der Freundschaft wieder belastet, aber bislang ist es nicht mehr zu größeren Ausschreitungen gekommen. In der Regel war die Atmosphäre in den vergangenen Jahren gegen Ende einer Saison weit aggressiver, als in diesem Jahr. In Anbetracht auf die scharfen, hetzerischen und spaltenden Äußerungen von Fenerbahce Vereinsboss Aziz Yildirim und den Konflikten zwischen ehemaligen Galatasaray Legenden und den Vereinsvorständen, sowie den allgemein schlechten Leistungen beider Mannschaften im Rennen um die Meisterschaft, ist die Lage unter den Fans immer noch als friedlich zu bewerten.

Hingegen der Skepsis von Ali Riza Seker, Mitglied der bekannten Besiktas Fan-Gruppe Carsi, scheint dieses Mal der Frieden unter den Fans anzudauern. In den letzten fünf Wochen der türkischen Süper Lig bleibt abzuwarten, ob sich diese fast schon idyllische Atmosphäre bis zum Ende der Spielzeit durchzieht. Es wäre wünschenswert.