Satire hat auch in der Türkei eine lange Tradition. Immer wieder werden in Satireformaten wie Zaytung, Hıbır, Leman und Penguen Künstler, Sportler, Wirtschaftsleute und vor allem Politiker aufs Korn genommen. Repressalien hatten die Journalisten dieser Blätter bislang ebenso wie ihre französischen Kollegen von „Charlie Hebdo“ nicht eingeschüchtert.

Die größte türkische Tageszeitung Zaman bringt ab dieser Woche mit „Püff“ ihr eigenes wöchentliches Satiremagazin als Beilage heraus. Zaman-Chefredakteur Ekrem Dumanlı erklärt die Entstehungsgeschichte von „Püff“: „Seit Monaten haben wir an diesem Projekt gesessen. In den letzten Wochen hat sich eines gezeigt: Was nicht erklärt werden kann, muss karikiert werden. Vieles ist geschehen, wofür man keine Worte findet. Genau an diesem Punkt wollen wir mit unseren Zeichnungen und Karikaturen ansetzen“. Die Türkei brauche unbedingt mehr Humor und Satire, so Dumanlı.

Das Titelbild der ersten Ausgabe hat das Thema Pressefreiheit zum Thema. Auf der Karikatur hält ein Staatsanwalt eine aufgerollte Zeitung in der Hand und sagt zum Richter: „Verehrter Richter, sie wollten die Zeitung so machen und dann das Feuer eröffnen“.

An der Einweihungsfeier des Magazins am Montag nahmen auch viele Karikaturisten und Personen des öffentlichen Lebens teil. Filmkritiker Atilla Dorsay zeigte sich erfreut über die Erscheinung. Der Zeitpunkt sei genau richtig: „Ich bin sehr froh, dass eine Zeitung wie Zaman ein Satiremagazin herausbringt. Das ist die richtige Antwort auf die Geschehnisse der letzten Woche.“ Ähnlich äußerte sich Ibrahim Özbadak: „Ich denke, dass sich das Magazin gut verkaufen wird“, sagte der Star-Karikaturist.

Das Thema der ersten Ausgabe passt nicht nur gut zu den Ereignissen in Frankreich, sondern auch der Türkei. Am 14.12. des vergangenen Jahres ließ die türkische Regierung dutzende Journalisten und Schauspieler verhaften – unter ihnen auch den Chefredakteur von Zaman, Ekrem Dumanlı, und den Chef der Sendergruppe Samanyolu, Hidayet Karaca. Dumanlı ist mittlerweile unter Auflagen wieder auf freiem Fuß. Er darf die Türkei nicht verlassen. Karaca hingegen seit 30 Tagen in Haft.

Weltweit hatte der Schlag gegen die Meinungsfreiheit in der Türkei für Empörung gesorgt. Journalistenverbände wie Reporter ohne Grenzen (ROG) und der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hatten Ankara für die Verhaftungswelle kritisiert. Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan und sein Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu lässt die Kritik bislang kalt. Sie sehen in der Arbeit missliebiger Journalisten „die Unterstützung terroristischer Netzwerke und einen Angriff auf die Staatssicherheit“.