Erdogan in Köln

Erdoğan in Köln, das erregt bei vielen die Gemüter. Nun beginnt die Veranstaltung in der Lanxess-Arena vor Tausenden Anhängern.

18:00 Uhr: Der Stellvertretende Vorsitzende des türkischen Religionsamtes Diyanet, H. Kamil Yilmaz, trägt zu Beginn der Veranstaltung ein Gebet vor, in dem er unter anderem den Opfern des Grubenunglücks in Soma Gnade und Barmherzigkeit wünscht.

18:15: Der Vorsitzende der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) Süleyman Çelik ging auf die Diskussionen deutscher Politiker bezüglich der Teilnahme  Erdoğans an dieser Veranstaltung ein und sagte: „Wir verurteilen einige Menschen für ihre vorurteilbehaftete Haltung, welche wir mit der deutschen Gastfreundlichkeit nicht versöhnen können. (Buh-Rufe aus dem Publikum, wohl an die Kritiker des Besuchs addressiert) Wir standen immer auf der Seite der Stärkung deutsch-türkischer Beziehungen. Wir werden bezüglich unserer Haltung keinen Kompromiss eingehen. Wir können aber denjenigen, die das Maß nicht halten können, entgegnen, dass wir uns im Rahmen unserer demokratischen Rechte weiterhin verteidigen und unseren Streit fortsetzen werden.“

Erdoğan betritt die Bühne

18:24: Der türkische Staatsminister für Auslandstürken, Emrullah İşler, bittet den türkischen Ministerpräsidenten mit den Worten „ich überlasse das Wort dem Architekten der neuen Türkei“.

18:25: Erdoğan betritt die Bühne, die Menge im Saal erhebt sich und applaudiert. Die Zuschauer hören Erdoğan aufmerksam zu und unterbrechen seine Rede nach jedem zweiten Satz mit Beifall und Sprechchören.

18:30: Erdoğan: „Ihr habt viel Bedrücktheit dulden müssen. Doch ihr habt Widerstand geleistet, Geduld und Toleranz gezeigt. Als Volk sind wir Euch dankbar.“ Er spricht außerdem von einem Telefongespräch mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem Grubenunglück in Soma. Buhrufe im Saal (offenbar an Merkel). Erdoğan weist dies mit einer Handbewegung zurück und dankt Merkel und anderen deutschen Politiker für ihre freundliche Unterstützung. Wir werden dieses schreckliche Unglück bis zum Ende aufklären und die Versäumnisse aus dem Weg räumen.“ Wenn es um die deutsche Kanzlerin geht, spricht er sanft und überlegt. Anscheinend will er keine Konfrontation provozieren.

Interessanter Fakt am Rande: Hin und wieder bekommt Erdoğan kleine Notizzettel vorgelegt, auf die er dann kurz blickt. (reuters)

18:40: „Wir sind für Integration. Die Deutschen Medien wetterten damals gegen mich. Ich bin der festen Überzeugung, dass ihr keine Probleme bereitet habt bei eurer Integration. Aber wir sagen Nein zur Assimilation. Ich sagte das Gleiche bereits vorher, und sage nun erneut dasselbe. Ihr dürft in eurer Sprache, eurer Religion, eurer Kultur keine Kompromisse eingehen.“

18:45: Der Ministerpräsident äußert sich nun auch zu den Demonstrationen der vergangenen Tage in Istanbul, bei den zwei Menschen getötet wurden. „Nach dem Soma-Ereignis kamen illegale Organisationen zusammen und protestierten illegal auf der Straße. Folglich kamen zwei Jugendliche ums Leben. Die Schwester des Gestorbenen sagte selbst (zu den Demonstranten): ‚Hättet ihr eure Aktionen nicht gestartet, würde mein Bruder heute noch leben.‘ Einige Medien versuchten, aus dem Unglück in Soma Profit zu ziehen. (Buh-Rufe, an ‚die Medien‘ gerichtet) Ignorante Medien schickten mich zur Hölle (Buh-Ruhe). Woher sie wohl den Weg zur Hölle wissen.“

18:55: Erdoğan: „Interessant ist, dass die illegalen Organisationen in der Türkei sich anscheinend mit den Medien hierzulande abgestimmt haben. Falls man (so) versucht für die Europawahlen Stimmen zu gewinnen, so sollten sie wissen, dass sie erfolglos sein werden.“

19:00: Im Publikum sind neben etlichen Türkei-Fahnen auch Plakate mit der Aufschrift „Lieber Gott, lass uns nicht ohne Erdoğan (sein)“ zu sehen. Auch eher verbitterte Aufschriften sind zu lesen: „Der Aufstieg meines Landes hat die deutschen Medien aufgebracht“.

Gezi-Proteste, der Wahlerfolg der AKP und das Unglück in Soma

19:05: Die Rede wird oft vom Publikum durch Sprechchöre unterbrochen: „Die Türkei ist stolz auf dich!“. Insgesamt spricht Erdoğan fast ausschließlich über die Türkei, weniger über die Deutschtürken.

19:10: Auf den Wahlerfolg der AKP anspielend erklärt Erdoğan: „Während den Gezi-Park-Ereignissen haben sie (illegale Organisationen) getänzelt, unter dem Deckmantel von Korruption haben sie am 17. Dezember getänzelt. Mein Volk hat ihnen am 30. März  die nötige Antwort gegeben, ihnen ihre Lektion erteilt.“ Offenbar an den Vorwurf, er verstoße mit seiner Politik gegen demokratische Normen, sagt der Ministerpräsident: „Falls wir der Demokratie wirklich glauben, falls wir der Wahlurne tatsächlich glauben, so haben (wir) die Pflicht, die Entscheidung des türkischen Volkes zu respektieren.“

Erdoğan spricht vor seinen Anhängern in Köln. (reuters)

19:15: Interessanter Fakt am Rande: Hin und wieder bekommt Erdoğan kleine Notizzettel vorgelegt, auf die er dann kurz blickt.

19:20: Und wieder geht es um die Legitimation seiner Regierung: „Die Entscheidung meines Volkes bedarf keiner äußeren, keiner externen Erlaubnis. Mischen wir uns in die Wahlen anderer Länder ein? Was machen wir? Wir rufen sie an und beglückwünschen, gratulieren sie. 301 Märtyrer sind in Soma ums Leben gekommen. Unsere Herzen brannten, und andere missbrauchten den Fall. Diese Leute bezeichneten unsere Bergbauarbeiter damals als „Trommelköpfe“, als welche „die ihren Bauch aufkratzen.“

19:25: Jetzt spricht Erdoğan über das Bergwerksunglück in Soma: „Ich stieg selbst in die Zeche hinunter, ich habe mir die Situation vor Ort angesehen. Nicht vom Schreibtisch aus, so wie andere. Wir saßen mit unseren Brüdern und aßen zusammen. Wir beteten für sie, wir beteten mit ihnen. Doch andere haben die Straßen terrorisiert und noch immer beschuldigt uns der Westen (Verantwortung für das Unglück zu tragen).“

Die Verbindung zwischen Deutschland und der Türkei

19:30: Nun geht es um die historische Verbindung zwischen der Türkei und Deutschland: „Vor genau einem Jahrhundert, im Jahre 1914 zu Zeiten des ersten Weltkrieges, da kämpften osmanische Soldaten mit deutschen Soldaten Seite an Seite. Wir sind Jahrhunderte lang Schicksalsfreunde gewesen. Auch wirtschaftlich hielten wir stets zusammen. Das Deutsche Wirtschaftswunder wurde erst durch die türkischen Arbeitskräfte möglich. Jährlich entscheiden sich 4 Millionen deutsche Touristen für die Türkei. Viele sind auch in die Türkei eingewandert.“

19:35: Erdoğan betont die wirtschaftliche Bedeutung der Türkei für die deutsche Wirtschaft: „Eure Unternehmen machen hier Gewinne im Umfang von 40 Milliarden Euro. Ihr habt 80 Tausend Unternehmen gegründet, das bilaterale Handelsvolumen beträgt mehr als 30 Milliarden Euro.“

19:38: Die Feststellung des Premierministers, dass „Die Türkei ist nicht mehr die alte Türkei“ sei, wird mit Beifall bedacht.

19:40: Wieder an seine Kritiker und den Vorwurf, die Pressefreiheit in der Türkei zurückzudrängen gerichtet, sagt Erdoğan: „Gehört es zur Pressefreiheit, Polizisten umzubringen? Gehört es zur Pressefreiheit, Mitglied von illegalen Terrororganisationen zu sein? Gehört es zur Pressefreiheit unter dem Deckmantel von Demos Vandalismus zu betreiben? In welchem europäischen Staat toleriert man, Polizisten und Soldaten mit Waffen zu beschießen. Die Belege sind auf unserer Seite.“ Und weiter: „In Deutschland erlebt man Schlagzeilen wie „Fahr zur Hölle, Erdoğan“ vielleicht nur einmal im Jahr. Doch wir haben es tagtäglich mit einer solchen Niveaulosigkeit zu tun.“

19:55: Nach ca. 80 Minuten beendet Erdoğan seine Rede und wird von seinen Anhängern mit minutenlangem Beifall bedacht, Fahnen werden geschwenkt und Plakate in die Luft gehalten.

Nach ca. 80 Minuten beendet Erdoğan seine Rede und wird von seinen Anhängern mit minutenlangem Beifall bedacht, Fahnen werden geschwenkt und Plakate in die Luft gehalten.