Turkey's Transportation Minister Binali Yildirim (R) and his wife Semiha EPA/RIZA OZEL / POOL

„Haben wir die USA nach Belegen gefragt, als sie behaupteten, für den 11. September sei die Taliban verantwortlich?“ Mit diesen Worten kritisierte jüngst der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim die USA, weil sie für eine Auslieferung von Fethullah Gülen an die Türkei Belege fordern.

Die Türkei möchte die Auslieferung von Fethullah Gülen erwirken. Für die türkische Regierung und die gesamte Opposition ist der im US-amerikanischen Exil lebende Fethullah Gülen und mit ihm seine internationale Bildungsbewegung für den Putschversuch vom 15. Juli 2017 verantwortlich. Der muslimische Gelehrte Gülen und auch seine Sympathisanten bestreiten das vehement und fordern internationale Gremien dazu auf, den genauen Hergang des Putschversuches zu analysieren.

Gülen-Anhänger gefoltert, entführt, misshandelt und ermordet

Seit dem Putschversuch ist das Leben für bekennende Gülen-Anhänger kein leichtes Unterfangen. Sowohl in der Türkei als auch im Ausland werden sie verfolgt, entführt, eingesperrt und misshandelt. Zahlreiche Todesfälle in türkischer Untersuchungshaft sind bekannt geworden, Hunderte Zivilisten wurden während der Haftzeit vergewaltigt. Es sind einschlägige Fälle von Misshandlungen bekannt, die eine Darmoperation zu Folge hatten. In vielen Fällen wurden einfache Soldaten mit Schlagstöcken und Flachen misshandelt. Trotz dieser Zustände und den zahlreichen Menschenrechtsverletzungen setzen sich kaum oppositionelle Politiker der Türkei für diese Menschen ein.

Türkische Regierung und türkische Opposition sind sich einig: Gülen steckt hinter dem Putsch

Und dennoch; obwohl die zerstrittene türkische Politiklandschaft vielleicht zum ersten Mal seit Jahren in einer Sache einen Konsens gefunden hat, konnte die türkische Republik in dieser geschlossenen Haltung keine westliche Demokratie davon überzeugen, dass die Gülen-Bewegung wirklich hinter dem Putsch steckt. Das größte Problem ist, dass Belege fehlen, die das Narrativ der Türkei unmissverständlich klarstellen könnten. Scheinbar ist es der türkischen Regierung auch klar, dass sie keine Belege liefern können. So verirren sich immer öfter hochrangige Vertretern der türkischen Republik in peinlichen Aussagen.

Die westlichen Demokratien glauben nicht an Putschbeteiligung von Gülen: Belege fehlen

Eine solche Peinlichkeit ist dem türkischen Ministerpräsidenten Binali Yildirim unterlaufen, als dieser dem US-Medium CNN ein Interview gab. Darin verglich der türkische Ministerpräsident  Fethullah Gülen mit Osama Bin Laden. „Haben wir die USA nach Belegen gefragt, als sie behaupteten, für den 11. September sei die Taliban verantwortlich?“ Der Putschversuch vom 15. Juli 2016 in der Türkei sei so etwas wie der 11. September in den Vereinigten Staaten. 

In einem Gespräch mit dem Journalisten Fareed Zakaria hieß es, dass vertrauliche Quellen in Washington Zakaria erzählt hätten, die Türkei habe die USA nicht davon überzeugen können, hinter dem Putsch stecke Gülen. Daraufhin erinnerte Binali Yildirim daran, dass die Türkei eines der ersten Länder gewesen ist, die den USA ihre militärische Unterstützung in Afghanistan angeboten hätten. „Als Bush erzählte, hinter dem Anschlag sei die Al-Kaida, hat niemand nach Belegen dafür gefragt“.

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