Mischt sich die Türkei in den syrischen Bürgerkrieg stärker ein als bisher bekannt? Die Zeitung Cumhuriyet hat am Donnerstag neue Video-Aufnahmen veröffentlicht, die genau diese Frage bejahen. Die Zeitung hatte vor einigen Tagen Bilder und Videos von den von der Gendarmerie durchsuchten LKWs veröffentlicht, die im Auftrag des türkischen MİT (Milli İstihbarat Teşkilatı) auf dem Weg nach Syrien angehalten wurden. Über die veröffentlichten Videos wurde eine Nachrichtensperre verhängt und der Chefredakteur der Zeitung, Can Dündar, bekam eine Strafanzeige von Staatspräsident Erdoğan höchstpersönlich, in denen für den Journalisten zwei Mal lebenslänglich plus 43 Jahre Haft gefordert wurde.

Die nun von der Zeitung veröffentlichten Videos sollen belegen, dass der türkische Geheimdienst Dschihadisten und Waffen nach Syrien transportieren ließen. In den Videos zeigen die beiden Fahrer zweier Busse, die von der Polizei festgenommen worden waren, wie sie von dem Flüchtlingslager Atme, das an der Grenze zum türkischen Stadt Reyhanlı in der Provinz Hatay im Süden des Landes liegt, Dschihadisten und Waffen aufnehmen und über 300 Kilometer durch türkisches Territorium ins Lager Tall Abyad liefern, das gegenüber der Stadt Akçakale in der Provinz Urfa liegt.

Wie der Transport aufgedeckt wurde

Wie in den Videos zu sehen ist, weht über dem Lager Atme die schwarze Flagge des IS (sogenannter Islamischer Staat). Auch das Lager in Tall Abyad befindet sich unter IS-Kontrolle. Am 10. Januar dieses Jahres bekam die Polizei einen geheimen Tipp auf Drogenhandel. Die beiden Busse wurden auf der Autobahn nahe İncirlik angehalten. Bei der anschließenden Durchsuchung fand man keine Drogen, aber in einem der Busse Patronen, eingewickelt in Bettdecken. Die beiden Fahrer, die festgenommen wurden, beteuerten jedoch ihre Unschuld und sagten aus, dass die Busse von dem türkischen Geheimdienst MİT gemietet worden seien und sie für den Staat arbeiteten.

Die beiden Fahrer zeigten den Ermittlern, wo sie die Dschihadisten und Waffen geladen und abgeladen haben. Der Sprecher des türkischen Außenministeriums in Ankara, Tanju Bilgiç, dagegen bezeichnete die Veröffentlichung der Bilder „als Teil einer Kampagne, die Türkei anzuschwärzen“.