SPERRFRIST 02.11.2016 um 06:00 UHR - ARCHIV - Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan spricht vor Anhängern am 28.08.2016 in Gaziantep. EPA/SEDAT SUNA (zu dpa "Für Reporter ohne Grenzen ist Erdogan ein «Feind der Pressefreiheit" vom 01.11.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan hat Deutschland die Unterstützung von Terrorismus vorgeworfen und die Spannungen zwischen beiden Ländern damit erneut verschärft. „Im Moment ist Deutschland eines der wichtigsten Länder geworden, in denen Terroristen Unterschlupf finden“, sagte Erdoğan bei einer Zeremonie am Donnerstag im Präsidentenpalast in Ankara. „So offen sage ich das.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Mittwoch Kritik an den neuerlichen Festnahmen von Journalisten in der Türkei wegen angeblicher Terror-Unterstützung geäußert.

Erdoğan sagte über Deutschland: „Dabei gibt es in diesem Land eine Vielzahl an rassistischen Übergriffen gegen Türken.“ Es sei inakzeptabel, dass sich Deutschland für Menschen einsetze, „die die Türkei als Terroristen einstuft und deren Auslieferung sie verlangt, statt diese Angriffe zu verhindern“. Er fügte hinzu: „Man wird sich zeitlebens an Euch erinnern, weil Ihr den Terror unterstützt habt.“ Die Zukunft Deutschlands sehe er „nicht positiv“.

Erdoğan warf der Bundesrepublik vor, seit Jahren Anhänger der PKK, der DHKP-C und der Gülen-Bewegung zu „beschützen“. Die Türkei macht den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen für den Putschversuch gegen Erdoğan Mitte Juli verantwortlich. Erdoğan sagte, die Türkei sei besorgt, dass Deutschland „den Schoß für Terroristen öffnet“ und zum „Hinterhof“ der Gülen-Bewegung werde.

„Hey Deutschland, sei Dir bewusst, dass diese Terrorplage Euch wie ein Bumerang treffen wird“, warnte Erdoğan . „Wir machen uns Sorgen um Eure Haltung.“ Er verbat sich zugleich jegliche Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Türkei, die „niemanden zu kümmern“ hätten. Merkel hatte zuvor die neuerlichen Festnahmen von Journalisten in der Türkei als alarmierend bezeichnet. Erdoğan sagte nun unter dem Beifall seiner Zuhörer bei der Zeremonie: „Seht Euch das an, jetzt erteilen sie uns Lektionen, von wegen wir sind besorgt.“

Grünen-Chef Cem Özdemir warf Erdoğan vor, aus der Türkei ein „großes Gefängnis“ zu machen. Pressefreiheit bestehe für Erdoğan darin, „dass man ihm huldigen darf“, sagte Özdemir der „Passauer Neuen Presse“. Derzeit finde in der Türkei „quasi ein zweiter Putsch“ statt. Özdemir warf der Bundesregierung „falsche Rücksichtnahme“ gegenüber Erdoğan vor, um den Flüchtlingspakt zwischen der EU und der Türkei nicht zu gefährden.

Die Bundesregierung wollte Erdoğans jüngste Aussagen am Donnerstag zunächst nicht kommentieren.