Bei einem Brandanschlag im Westjordanland ist ein palästinensisches Kleinkind getötet und seine Familie schwer verletzt worden. Als Täter vermuten israelische Sicherheitsbehörden radikale Siedler. Nach Angaben der israelischen Armee kamen mindestens zwei Vermummte am frühen Morgen in das Dorf Duma zwischen Nablus und Ramallah. Sie beschmierten zwei Häuser mit hebräischen Graffiti, schlugen dann Fenster ein und warfen Brandbomben in die Gebäude. Dabei erlitt ein 18 Monate altes Kind so schwere Brandverletzungen, dass es starb.

Mindestens drei weitere Familienmitglieder wurden nach israelischen und palästinensischen Angaben schwer verletzt. Sie werden in Israel behandelt. Vater und Mutter des getöteten Kindes schwebten am Freitag nach einem Bericht von „ynet“ in Lebensgefahr.

Anschlag war „nur eine Frage der Zeit“

Die Menschenrechtsorganisation B’Tselem warf den israelischen Behörden vor, Palästinenser nicht genug vor Siedlerangriffen zu schützen. Der tödliche Anschlag sei „nur eine Frage der Zeit gewesen“, so die Organisation.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas machte die israelische Regierung für die Tat verantwortlich. Er sprach im palästinensischen Fernsehen von einem „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.

Bundesregierung und EU verurteilten den Anschlag am Freitag: „Die Brutalität, mit der die Familien in ihren Wohnhäusern mit Brandsätzen angegriffen wurden, ist schockierend“, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes. Man begrüße es, dass die israelische Regierung die Tat einhellig und unmissverständlich verurteilte. In einer Mitteilung der Europäischen Union hieß es, der Vorfall verdeutliche, dass eine politische Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts dringend nötig sei.

Zentralrat der Juden in Deutschland verurteilt Tat

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, verurteilte die Tat „zutiefst“. Der Anschlag sei „entsetzlich und verstörend“, sagte er. „Der Zentralrat der Juden hofft, dass damit keine Spirale der Gewalt ausgelöst wird.“

Die im Gazastreifen herrschende Hamas hatte am Freitag zu einem „Tag der Wut“ aufgerufen. Nach Angaben einer Polizeisprecherin wurden deshalb die Sicherheitsvorkehrungen in Jerusalem verstärkt. In Jerusalem und dem Westjordanland kam es zu vereinzelten Ausschreitungen zwischen israelischen Sicherheitskräften und Palästinensern.

Nach Angaben von B’Tselem leben im Westjordanland rund 350 000 israelische Siedler. Immer wieder gibt es im Westjordanland Ausschreitungen und Anschläge von radikalen Extremisten beider Seiten. (dtj/dpa)