Nicht nur die türkischen Gastarbeiter verschlug es nach Deutschland, wo sie sich ein neues Leben aufbauten und zum Teil der deutschen Gesellschaft wurden. Auch viele Deutsche gingen ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Istanbul und machen heute etwa 25.000 der dortigen Bevölkerung aus.

Das, was sie dorthin trieb, war vor allem die Arbeit. Sie waren Handwerker und Geschäftsleute. Aber auch Journalisten und Berater entschieden sich dazu, in Istanbul zu bleiben. Zur Zeit des Nationalsozialismus flohen Wissenschaftler und Künstler in die Türkei. Dies führte dazu, dass dort unter anderem das deutsche Krankenhaus (1852) aber auch die Deutsche Schule (1868), Istanbul Lisesi, entstanden. Aber auch an vielen weiteren Architekturen und Orten der Stadt hinterließen die deutschen ihre Spuren.

Alman Hastanesi – das Deutsche Krankenhaus in Istanbul

Aufgrund der vielen Handwerksarbeiter sowie weiterer Deutscher, die sich mittlerweile in Istanbul befanden, wurde 1852 das Deutsche Krankenhaus – Alman Hastanesi – gebaut. Der Gründer dieses Krankenhauses, Pastor Theodor Fliedner, versprach, deutsche Krankenschwestern nach Istanbul zu schicken. Dr. Mordtmann war der erste deutsche Arzt dieses Krankenhauses.

Finanziell unterstützt wurde dieses Krankenhaus unter anderem von König Friedrich Wilhelm IV., welcher 2000 Taler spendete. Der preußische Staat, ab 1871 das Deutsche Reich und ab 1947 die Bundesrepublik Deutschland, sorgten alle ununterbrochen für die Finanzierung des Krankenhauses. Auch die türkischen Behörden unterstützten das Krankenhaus, selbst nach der Kriegserklärung der Türkei an Deutschland im Jahre 1944.

Während das Krankenhaus anfangs nur Minderheiten in der Türkei, wie Deutschen, Armeniern, Juden und Griechen zur Behandlung offen stand, wurden mit der Zeit immer mehr Türken auch in diesem Krankenhaus behandelt. Bis 1970 lag der Anteil der türkischen Patienten bei ca. 90 Prozent. Da allerdings die Personalkosten immer weiter anstiegen und man die Gelder nicht auftreiben konnte, verließ der deutsche Chefarzt das Krankenhaus und nach einiger Zeit wurde es vollständig von türkischen Ärzten und Schwestern übernommen.

Istanbul Lisesi – die Deutsche Schule

Die Istanbul Lisesi, welche zu den renommiertesten Schulen der Türkei zählt, ist ein mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium. Es wurde 1868 für Kinder von deutschen Migranten in der Türkei – also Kindern von deutschen Diplomaten, Handwerkern, Architekten, Händlern und Ingenieuren – gegründet. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden auch türkische Kinder auf dieses Gymnasium aufgenommen und nach deutschem Schulsystem unterrichtet.

1896 wurde die Schule verstaatlicht und 1911 in Istanbul Lisesi umbenannt. Fortan orientierte man sich am französischen Schulsystem und einige der deutschen Lehrer wurden zurück in ihre Heimat geschickt. Im Jahre 1958 kehrten diese aber wieder an die Schule zurück. 2002 wurden erstmals Abiturprüfungen eingeführt. Anfangs handelte es sich bei dem Gymnasium um eine reine Jungenschule, doch ab 1964 durften auch Mädchen auf die Schule. In der Unterstufe wurden ausschließlich nichttürkische Schüler unterrichtet, doch aber der Oberstufe wurden zusätzlich türkische Schüler nach den türkischen gesetzlichen Regelungen aufgenommen.

Türkisch-Deutsche Universität – Resultat der Zusammenarbeit zwischen BRD und der Türkei

Am 10. April 2010 gegründet und im Wintersemester 2013 gestartet setzte die Türkisch-Deutsche Universität (TDU) in Istanbul ein Signal für die Zivilgesellschaft. Die staatliche Universität, die als Resultat einer Zusammenarbeit der Bundesrepublik Deutschland und der Türkei entstanden ist, bietet Platz für ca. 5000 Studenten. Der DAAD (Deutscher Akademischer Ausschussdienst) bezuschusst die Uni mit ca. 4.Millionen Euro im Jahr.

Für den Anfang bieten fünf Fakultäten Studiengänge der Ingenieurs- und Naturwissenschaften an. Die Abschlüsse, die an dieser Universität absolviert werden, sind in beiden Ländern anerkannt. Bei der TDU handelt es sich um eine multilinguale Universität. Die Lehrsprache ist in Bachelorstudien-Gängen Deutsch (in Rechtswissenschaften Türkisch und Deutsch), in Master-und Promotionsprogrammen Deutsch oder Englisch. In Kooperation mit deutschen-Partneruniversitäten sollen in Zukunft Doppelabschlüsse vergeben werden.

Alman Çeşmesi – der Deutsche Brunnen

Der prächtige Brunnen in der Nähe der Sultan-Ahmet-Moschee und gegenüber des Mausoleums von Sultan Ahmed I. war ein Geschenk des Kaisers Wilhelm II., der sich für die Gastfreundlichkeit in Istanbul bedanken und ein Andenken an seine Reise machen wollte. Der so genannte Alman Çeşmesi (deutsche Brunnen) wurde vom preußischen Architekten Max Spitta 1898 entworfen. Er wurde in Deutschland hergestellt und die einzelnen Teile wurden anschließend nach Istanbul versandt, wo er zusammengebaut wurde.

Am Brunnen ist eine Bronzetafel angebracht, auf der eine Botschaft Kaiser Wilhelms II. steht: „Wilhelm II. Deutscher Kaiser stiftet diesen Brunnen in dankbarer Erinnerung an seinen Besuch bei seiner Majestät, dem Kaiser der Osmanen Abdul Hamid II. im Herbst des Jahres 1898.“ Außerdem findet man eine osmanische Inschrift, die von der Errichtung des Brunnens berichtet.

alman cesmesi

Bahnhof Haydarpaşa

Wahrscheinlich eines der bekanntesten deutschen Monumente in Istanbul ist der Haydarpaşa Bahnhof. Dieser wurde 1906 von dem deutschen Architekten Otto Ritter und Helmut Cuno entworfen. Geplant wurde er bereits 1903, doch erst 37 Jahre später, also 1940, beendet. Nach dem Sirkeci Bahnhof gilt Haydarpaşa als zweitgrößter Bahnhof Istanbuls. Ziele der Bahnlinien waren Städte in Anatolien, aber auch weit entfernte Ziele, wie etwa der Iran, Irak und Syrien. Aufgrund des Marmaray-Projekts verlor der Bahnhof 2014 seine Funktion. Der eine Teil des Bahnhofs soll in ein Museum, der andere Teil in ein Hotel umfunktioniert werden.

Haydarpasa

Das Deutsche Konsulat

Besucher, die die Gümüşsuyu Caddesi vom Taksim-Platz aus herunterschlendern, werden auf der rechten Seite ein beeindruckend großes Gebäude entdecken, das zwischen 1874 und 1877 erbaut wurde. Es handelt sich hierbei um das deutsche Konsulat in Istanbul. Während seiner Besuche soll der deutsche Kaiser dieses Gebäude besucht haben, bei dem es sich damals noch um die deutsche Botschaft handelte.

Kaiser Wilhelm Gästehaus, Hereke

1898 ließ Sultan Abdülhamid einen kleinen schönen Pavillon auf dem Marmarameer errichten. Es befand sich in der Nähe der Fabrik, in der die berühmten Hereke Teppiche hergestellt wurden. Der Kaiser hatte ein besonderes Interesse an diesen Teppichen. Bei seinen Besuchen brachte er neue Farbmittel mit. Kürzlich wieder eröffnet hat das Gästehaus, das nun Çivisiz Köşkü genannt wird.