Krimtateren demonstrieren in der Nähe des Krim-Parlaments in Simferopol.

Die neue ukrainische Führung versucht, durch den Appell an Ängste innerhalb der tatarischen Bevölkerung der Krim deren Loyalität gegenüber Kiew zu stärken und sie auf diese Weise als Prellbock angesichts zunehmender Abspaltungstendenzen auf der Halbinsel zu instrumentalisieren.

Unter Hinweis auf die Deportation Hunderttausender Tataren im Jahr 1944 von der Krim nach Zentralasien durch den sowjetischen Diktator Jossif Wissarionowitsch Dschugaschwili, bekannt als Josef Stalin – ein Prozess, der aufgrund von Hungersnot, Durst oder Krankheiten mit dem Tod hunderttausender Tataren endete – sagte die Botschaft diesbezüglich: „Auch heute könnte ihr Recht, darüber zu entscheiden, wo oder überhaupt zu leben, durch militärische Interventionen bedroht sein“, und nannte die Tataren die „loyalsten Bürger der Ukraine“.

Nach der Befreiung der Krim von der blutigen Besetzung durch die Deutsche Wehrmacht hatte Stalin Zwangsumsiedlungen veranlasst, weil er in den Krimtataren Kollaborateure der nationalsozialistischen Aggressoren zu erblicken meinte. In der Tat waren die Nazis anfangs wie auch an anderen Orten der Ukraine als „Befreier“ von der brutalen Politik der Sowjets begrüßt worden, bald aber auf Grund ihrer rassistischen Haltung gegenüber der Bevölkerung selbst in Ungnade gefallen. Insgesamt 20 000 Krimtataren hatten am Ende in der Roten Armee der Besetzung Widerstand geleistet.

Kiew bestreitet Gefahr für russische Bevölkerung

Als Antwort auf eine Entscheidung des russischen Parlaments vom Samstag, notfalls auch durch Intervention auf ukrainischem Territorium die Rechte der russischsprachigen Bevölkerung in der Ukraine zu schützen, beschwört das Statement, dass keine russische oder eine russischsprachige Bevölkerung in der Ukraine in Gefahr sei. „Wir bitten die USA, Großbritannien, Frankreich, Kanada, die EU und China, uns zu helfen, diesen Schritt in Richtung Krieg aufzuhalten. Wir bitten die Regierung der Türkei, sich an den internationalen Bemühungen diesbezüglich zu beteiligen, unter der Berücksichtigung der strategischen Beziehungen, die zwischen unseren Ländern entstanden sind und in Anbetracht der ernsten Gefahr, die ein solcher militärischer Konflikt mit sich bringen würde, und der auch die Krimtataren ausgesetzt wären“, so die Botschaft in dem E-Mail-Statement.

Die so genannten „Höflichen Menschen“, Miliztruppen ohne Abzeichen auf ihren Uniformen, die allerdings eindeutig als Russen zu erkennen waren, rissen am Samstag die Kontrolle über die Krim an sich. Ca. 12% der Bevölkerung der Halbinsel werden von türkischen Tataren gestellt, während ethnische Russen eine Mehrheit von ca. 60% bilden.

Davutoğlu besuchte Kiew

Die Türkei bat um den Schutz der territorialen Integrität der Ukraine und Außenminister Ahmet Davutoğlu stattete am Freitag und Samstag Kiew einen Besuch ab, um die steigenden Spannungen in der Region zu besprechen.

Im Ukraine-Konflikt behält sich Russland laut Präsident Wladimir Putin das Recht vor, die Bevölkerung der ostukrainischen Gebiete mit allen verfügbaren Mitteln zu verteidigen. Dies betonte der Präsident auch am gestrigen Dienstag wieder im Rahmen einer Pressekonferenz. Eine militärische Intervention strebe er der Nachrichtenagentur RIA Novosti zufolge nicht an, wolle sie aber auch nicht von vornherein ausschließen.

„Wenn wir sehen, dass diese Willkür auf östliche Regionen überschwappt, wenn die Menschen uns um Hilfe bitten (…), so behalten wir uns das Recht vor, alle verfügbaren Mittel einzusetzen, um diese Bürger zu schützen. Wir halten das für völlig legitim“, sagte Putin weiter.

Russland wolle „weder jemanden unterjochen noch jemandem etwas diktieren“. „Doch dürfen wir nicht abseits stehen und nicht zuschauen, wie sie (die russischsprachige Bevölkerung der Ukraine – Red.) verfolgt, vernichtet oder misshandelt wird. Wir wollen nicht, dass es so weit geht.“

Am Montag war bekannt geworden, dass Janukowitsch Russlands Präsident Putin schriftlich um einen Truppeneinsatz in der Ukraine gebeten hatte. Einen Beschluss über einen realen Truppeneinsatz gibt es derzeit nicht.

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