Die Zahl der syrischen Flüchtlinge ins Nachbarland Libanon hat erstmals die Millionengrenze durchbrochen. Der Konflikt im Nachbarland belastet das kleine Land schwer.

Die Zahl der syrischen Flüchtlinge ins Nachbarland Libanon hat erstmals die Millionengrenze durchbrochen. Das entspricht rund einem Viertel der Bevölkerung des Libanon, wie das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) am Donnerstag mitteilte. Jeden Tag kämen 2500 neue Flüchtlinge hinzu. Das Land könne den Ansturm kaum noch bewältigen. Kein Land der Welt habe einen höheren Anteil zu verkraften. Insgesamt sind in der Region nach UN-Angaben rund 2,6 Millionen Syrer auf der Flucht.

Im November 2013 warnte UN-Generalsekretär Ban Kimono im Bezug auf die Syrien-Krise vor den Folgen für den Libanon. Der Flüchtlingsstrom verstärke die finanziellen Belastungen des kleinen Landes enorm und erhöhe die sozialen Spannungen innerhalb der konfessionell durchmischten libanesischen Gesellschaft. „Die fortlaufende Einbindung der libanesischen Bürger in den Syrien-Konflikt ist Anlass zu tiefster Besorgnis, einschließlich der Rolle der Hisbollah, die in den Syrienkrieg eingebunden ist”, sagte Ban.

Mit neun Millionen Vertriebenen hat der Bürgerkrieg in Syrien längst das weltweit derzeit größte Flüchtlingsdrama verursacht. Seit dem Ausbruch des Konflikts vor drei Jahren flohen nach UN-Angaben mehr als 2,5 Millionen Syrer ins Ausland; weitere 6,5 Millionen seien zu Vertriebenen im eigenen Land geworden. Insgesamt seien das bereits mehr als 40 Prozent der Bevölkerung Syriens, so ein UN-Report.

Neben Zivilisten fliehen auch immer mehr Kämpfer in den Libanon

Die libanesischen Sicherheitsbehörden haben unterdessen ihre Präsenz in bestimmten Grenzregionen zu Syrien massiv verstärkt, da auf Grund einer Regierungsoffensive in der Qalamoun-Region in Syrien neben Flüchtlingen auch Hunderte oppositionelle Kämpfer über die Grenze flüchten. Die Spannung zwischen dem libanesischem Militär und den syrischen Kämpfern wächst zunehmend und die Lage droht auch im Libanon zu eskalieren.

Bei der Explosion einer Autobombe sind am Sonntag im Nordosten des Libanons drei Soldaten getötet worden. Vier weitere Soldaten wurden verletzt, als ein Selbstmordattentäter das Fahrzeug in der Nähe eines Kontrollpunktes in die Luft jagte. Der Vorfall habe sich in Wadi Ataa bei Arsal ereignet, teilten die libanesischen Streitkräfte mit.

Die Organisation „Freies Sunnitisches Volk von Baalbek“ erklärte, der Anschlag sei eine Rache für die Tötung eines Kämpfers durch Soldaten am Vortag in Arsal. In der hauptsächlich von libanesischen Sunniten bewohnten Stadt an der syrischen Grenze leben derzeit mehr als 40 000 Flüchtlinge aus Syrien. (dpa/dtj)