Der Trend des ersten Halbjahres 2015 setzte sich auch im zweiten Halbjahr fort: Die früher so reiselustigen Russen sind im eigenen Land geblieben. Sotschi statt Spanien lautete die Devise, die sich aufgrund der anhaltenden Rubelschwäche wohl auch im Jahr 2016 fortsetzen wird.

Dafür strömen wieder mehr Deutsche in die Türkei. Um ganze elf Prozent hat die Zahl der Besucher aus Deutschland zugenommen und der Nachfrageboom hält auch für 2016 an. Die deutschen Reiseveranstalter reagieren bereits auf die steigende Nachfrage nach Türkei-Urlaub im kommenden Jahr: alltours und byebye haben ihr Programm bereits deutlich ausgebaut und bieten rund 300 Hotels alleine an der türkischen Riviera zwischen Kemer und Alanya an, dem traditionell liebsten Zielgebiet der Deutschen. Doch auch an der türkischen Ägäis zwischen Kuşadası, Bodrum und Dalaman wurde das Angebot in Erwartung der steigenden Nachfrage um über 90 Hotels auf nun etwa 170 Hotels erweitert. Ein weiterer Pluspunkt: Türkeireisen werden im Schnitt etwa 2 % billiger.

Keine Sicherheitsbedenken bei deutschen Touristen

Gilt der deutsche Tourist mit seiner Vollkaskomentalität sonst als eher scheues Wesen, spielten die Anschläge in der Türkei im vergangenen Sommer scheinbar keine Rolle für Urlauber. Die Riviera ist weit entfernt von den Großstädten und die syrische Grenze noch viel weiter weg. Anders als beispielsweise in Tunesien und in Ägypten, wo gezielt der Tourismus durch Anschläge geschwächt werden sollte, konzentriert sich der Unmut in der Türkei eher auf die Regierung und den seit wieder aufgeflammten innenpolitischen Konflikten. Die Urlauberregionen im Westen und Südwesten des Landes sind davon jedoch nicht betroffen. Lediglich in der auch bei Touristen sehr beliebten Metropole Istanbul sollten Gäste auf öffentlichen Plätzen und in öffentlichen Verkehrsmitteln besonders aufmerksam sein.

Kultur statt All-Inclusive

Insgesamt wird der deutsche Tourist auch entdeckungsfreudiger, so die Erkenntnis der Touristiker. Zwar reist ein Großteil der Urlauber noch immer zum typischen All-Inclusive-Strandurlaub an und verlässt sein Resort höchstens einmal für einen Tagesausflug nach Antalya, doch immer Gäste interessieren sich für Kunst und Kultur der Türkei. Davon profitieren die Urlaubsorte an der türkischen Ägäis wie Bodrum, das sich selbst aufgrund seines Yachthafens und der lebhaften Clubszene gern „St. Tropez der Türkei“ nennt. Im Hafen beeindruckt die uralte Burg der Kreuzritter und in der Altstadt verstecken sich fast bescheiden die Reste eines der sieben Weltwunder der Antike, das Mausoleum von Halikarnassos. Weitere berühmte antike Stätten wie Ephesus und der Apollontempel von Didyma sind nur einen Tagesausflug entfernt. Auch die Nachfrage nach Mietwagen steigt: Immer mehr Touristen erkunden auf eigene Faust die westliche Türkei mit Ephesus, Pergamon und Troja oder die einzigartige Felsenlandschaft Kappadokiens, häufig kombiniert mit anschließenden Strandtagen an der Riviera: So verbinden sie das beste beider Welten.


Titelbild: ©istock.com/ihsanyildizli (Antalya)

Bild im Text: ©istock.com/dem10 (Bodrum)