Die mutmaßlichen Mitglieder der rechten Terrorzelle NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) planten offenbar auch Anschläge im westfälischen Münster. Im Prozess um das letzte lebende mutmaßliche NSU-Mitglied Beate Zschäpe sowie vier ihrer Unterstützer am Oberlandesgericht München haben die Ermittler neue Beweise vorgelegt. Es handelt sich um Überreste einer Karte, die beim Brand des Hauses im sächsischen Zwickau sichergestellt wurde, das der Terrorzelle als letzte Zufluchtsstätte diente und Anfang November 2011 abbrannte.

Ruprecht Polenz, Türkisches Generalkonsulat, Jüdische Gemeinde

Was brisant ist: Auf der Karte von Münster sind Anschriften von Abgeordneten und Parteibüros markiert. Zu den markierten Stellen gehören auch Adressen von türkischen und islamischen Vereinen sowie die Adresse der Jüdischen Gemeinde. Auf der Karte war auch der Name von Ruprecht Polenz notiert, bis 2013 CDU-Abgeordneter aus Münster, sowie der Name einer türkischen Lehrerin. Auch das Gebäude des türkischen Konsulats in Münster ist als eines der möglichen Anschlagziele der Terroristen ausgewiesen.

Wann genau die Liste erstellt wurde, steht nicht fest. Ausgedruckt wurde sie am 3. April 2006, einen Tag vor dem Anschlag auf den türkischen Kioskbesitzer Mehmet Kubaşık in Dortmund. Klarheit könnte Beate Zschäpe in die Sache bringen. Sie wollte ursprünglichen morgen vor Gericht erstmals aussagen, der Prozess wurde allerdings heute bis zum 17. November unterbrochen.

Dem sogenannten NSU werden in den Jahren zehn Morde und zwei Sprengstoffanschläge zur Last gelegt. Zschäpe hat bisher zu den Vorwürfen geschwiegen und nichts zur Aufklärung beigetragen.