Arztpraxis safiye ali ferdi ali krekeler Dortmund.
Safiye Ali mit ihrem Ehemann Ferdinand Krekeler (r.) vor ihrer gemeinsamen Praxis in Dortmund. Foto: https://onedio.com/

Safiye Ali tauchte am 2. Februar im sogenannten Doodle der Suchmaschine Google auf. Die erste Ärztin der türkischen Republik war in Deutschland bislang kaum bekannt. Dabei pflegte sie eine enge Beziehung zum Land.

Safiye Ali dürften bislang nur wenige gekannt haben. Jetzt ändert sich das anscheinend – dank Google. Denn die weltweit größte Suchmaschine hat die türkische Medizinerin am Dienstag mit einem eigenen Doodle geehrt. Ali wäre nämlich an jenem Tag, dem 2. Februar 2021, 127 Jahre alt geworden. Als erste türkische Medizinerin gilt sie als Vorreiterin für Frauen in der Medizin.

Die Ärztin hinterließ auch Spuren in Deutschland. Doch zunächst zu ihrem Werdegang: Ali, die 1894 in Istanbul als jüngste von insgesamt vier Töchtern auf die Welt kommt, hat schon recht früh das Bestreben, später einmal Ärztin zu werden. Doch das ist zur damaligen Zeit, vor allem als Frau, kein leichtes Unterfangen. Im damaligen Osmanischen Reich ist die akademische Ausbildung nämlich vorrangig Männern vorbehalten. Aber Ali war damit nicht einverstanden und wollte das nicht hinnehmen. Sie suchte nach Wegen, um sich ihren Berufswunsch zu erfüllen. So beschloss sie nach Deutschland zu gehen, um dort Medizin zu studieren. Tatsächlich schaffte es die damals 22-Jährige ein Studium an der Universität Würzburg aufzunehmen, ehe sie diesen nach nur fünf Jahren erfolgreich abschloss.

Mit großer Hoffnung, ihrem Beruf nachzugehen, kehrte Ali ins kurz vor der Auflösung stehende Osmanische Reich zurück, eröffnete 1923 ihre erste Praxis und gehörte mit Dr. Zaruhi Kavalcıyan zu den ersten Medizinerinnen der jungen Republik.

Augenarzt Krekeler wandert mit Safiye Ali in die Türkei aus

In der Türkei heiratete sie den Augenarzt Ferdinand Krekeler, den sie in Deutschland kennengelernt hatte. Für seine Liebe wanderte er sogar in die Türkei aus. Später, so berichten einige Quellen, soll Ferdinand Krekeler zum Islam konvertiert sein. Dabei habe er den Namen „Ferdi Ali“ angenommen.

Auch wenn es im Privaten stimmt, wird Dr. Safiye Ali, die nun Ali-Krekeler heißt, in ihrer neuen alten Heimat nicht glücklich. Das liegt vor allem an Anfeindungen männlicher Kollegen. Auch Patienten wollen sich nicht unbedingt von der Ärztin behandeln lassen.

Misstrauen in der Türkei gegenüber junger Ärztin

Das große Misstrauen ist ein erneuter Wendepunkt in Dr. Ali-Krekelers Leben. So entscheidet sich die junge Medizinerin ein zweites Mal nach Deutschland zu gehen. Hier schafft sie es, neben der klinischen Ärztetätigkeit auch als Wissenschaftlerin aktiv zu sein. Als letztere beschäftigte sie sich vor allem mit der Gesundheit von Müttern und Säuglingen und der Bedeutung des Stillens.

Dr. Ali-Krekeler hat aber auch eine wohltätige Seite und engagiert sich bei Wohltätigkeitsorganisationen, setzt sich gegen die Zwangsprostitution junger Mädchen ein und ist politisch aktiv. Für viele Türkinnen gilt sie als Vorzeigefigur hinsichtlich der Emanzipation.

Ihre letzte Station ist Dortmund, wo sie mit ihrem Mann zusammen eine Arztpraxis öffnet. 1950 erkrankt die Ärztin an Brustkrebs und stirbt zwei Jahre später an der Krankheit. Die Grabstätte befindet sich ebenfalls in Dortmund und kann besucht werden.

Todesanzeige Krekeler Safiye 1952-07-05
Foto: Roland – Datenbank https://tng.rolandgen.de/showmedia.php?mediaID=131

Doodle von türkischem Künstler aus Izmir

In der türkischen Presse wird die Aktion von Google hochgeschätzt. Einige Medien schreiben beispielsweise selbstkritisch: „Wir haben es vergessen, Google aber nicht“. Das Doodle wurde vom Künstler Hüseyin Sönmezay aus Izmir gestaltet. Google verändert seit 1998 das Logo auf der Suchmaschine zu bestimmten besonderen Anlässen, wie beispielsweise Geburtstagen, Wahlen oder Jahrestagen. Diese Veränderung wird als „Google Doodle“ bezeichnet.

Screenshot: Google.com