Von der website www.schulbutler.de

Emir Custovic (23) studiert an der Freien Universität Berlin Informatik. Der Berliner mit bosnischer Herkunft entwickelte die Software „SchulButler“, gründete seine eigene Firma und vertreibt nun sein erstes Produkt. Mit dem DTJ sprach der junge Unternehmer über seine Software, seinen Werdegang und seine Tipps für andere motivierte Entwickler und Gründer.

Herr Custovic, Ihre Firma wirbt für eine Software namens „SchulButler“. Was ist das?

Der SchulButler ist ein innovativer Schulplaner, der den Schülerinnen und Schülern das Organisieren ihres Schulalltags und der dazugehörigen Dinge erleichtert. Er ermöglicht das bequeme Verwalten von Terminen, Aufgaben, Noten etc. am Computer. Das Planen von Terminen fördert beispielsweise die Selbstständigkeit und Selbsteinschätzung der Nutzer. Eines der Ziele des SchulButlers ist folglich die eigenständige Planung des Schulalltags durch die Schülerinnen und Schüler.

Wie sind Sie auf die Idee zum SchulButler gekommen?

(Lächelt) Da muss ich weit ausholen. In der 12. Klasse fehlte mir seitens der Schule ein Abirechner, mit dem ich meine vorläufige Abiturnote berechnen konnte. Ich entschloss mich, selbst einen Abirechner in MS Excel anhand von Formeln und Funktionen zu entwickeln. Ich lege viel Wert auf Design und Benutzerfreundlichkeit. Nach etwa einem Monat war mein erster Abirechner fertig und man bot mir an, den Abirechner (für Berlin) auf der Schulseite für alle verfügbar zu machen. Bis heute gab es etwa 2000 Downloads.

Bei dem Vorhaben, eine 2. Version des Abirechners zu entwickeln, stieß ich an die Grenzen von MS Excel und entschloss mich, daraus eine eigenständige Anwendung zu machen. Durch die neuen Möglichkeiten, die sich bei dieser eigenständigen Anwendung boten, entschloss ich mich, diesen Abirechner um weitere Teile zu ergänzen und einen gesamten Schulplaner zu entwickeln. Das Informatik-Studium begann und die Wochenenden wurden dafür genutzt, am Schulplaner weiterzuarbeiten. Mit der Zeit kamen neue Apps und damit neue Funktionen hinzu, bis ich schließlich nach Gesprächen mit Freunden und Bekannten beschloss, daraus ein professionelles Projekt zu machen, welches 2012 dann auch in die Hand genommen wurde.

Eine Firmengründung kostet Zeit, Geld und Nerven. Haben Sie den Schritt jemals bereut?

Es gibt Höhen und Tiefen. Jedes Projekt, ob Firmengründung oder Entscheidung über das Studium, kann seine Vor- und Nachteile haben. Wichtig ist, dass man in jedem Moment hinter seinem Projekt steht. In der Uni verhaut man eine Klausur, beim eigenen Projekt stürzt ein Server ab. Bei beiden sammelt man Erfahrung durch die Fehler. Beim nächsten Mal kann man diese Erfahrung anwenden, um bestimmte Fehler zu vermeiden. Es ist wichtig, bei solchen Projekten wie auch bei der Uni zu schauen, was man geschafft hat. Damit sollte man sich jedoch nicht allzu lange beschäftigen, da man den Anschluss nach vorne nicht verlieren darf.

Was sind die Vorteile, schon als Student eine Firma zu haben?

Dies ist von Studiengang zu Studiengang unterschiedlich. Wenn jemand beispielsweise Sprachen studiert, kann er die Sprache durch Kommunikation mit anderen Personen festigen bzw. ausbauen. Für mich als Softwareentwickler war ein eigenes Projekt die beste Möglichkeit, das an der Uni Gelernte praktisch anzuwenden.

Viele Studenten träumen davon, eine eigene Firma zu gründen. Was sind Ihre Tipps an sie?

Bei einer Gründung sind sehr viel Mut und Fleiß wichtig. Das, was man von außen sieht, ist nur ein Bruchteil der Arbeit, die man tatsächlich verrichten musste, um seine Ziele zu erreichen. Häufig unterschätzt man die im Voraus kalkulierte Zeit enorm, da viele weitere Faktoren bei der Problemlösung eine Rolle spielen können. Zeitmanagement kann dabei helfen, Fristen einzuhalten und unnötige Mehrausgaben aufgrund fehlender Zeitplanung zu vermeiden.

Gab es auch schwierige Momente bei der Entwicklung?

Sicherlich! Ein gutes Beispiel dafür waren die versprochenen zwei Wochen, die wir auf einen Internetanschluss hätten warten sollen, welche sich jedoch auf ganze zwei Monate verlängerten. Dies erschwerte in unserem Falle den Austausch von größeren Datenmengen zu unseren in Deutschland liegenden Servern.

Als wir endlich einen Internetanschluss bekamen, schien es so, als könne der Zeitplan doch noch eingehalten werden. Viele weitere Dinge sind dann noch passiert: Serverabstürze, Datenverluste und Wasserschäden machten uns das Leben schwer. Es war eine abenteuerliche Zeit.

Der SchulButler ist für Schüler von „heute“. Was meinen Sie damit und wie sieht es mit den Schülern von „morgen“ aus?

Der SchulButler ist selbst ein Teil des Trends, bei welchem Schüler(innen) immer besser von digitalen

Medien unterstützt werden. Uns war vor allem wichtig, mit den alten Vorstellungen über einen Schulplaner zu brechen und etwas zu schaffen, was dem heutigen Standard entspricht. Dies ist erforderlich, da Schüler(innen) ihre Ansprüche im Laufe der Zeit ändern und sich die Software daran anpassen muss. Daher haben wir beispielsweise im SchulButler den Export der Inhalte zu anderer Software und auch auf die mobilen Geräte so angenehm wie möglich gestaltet.

In der kommenden Zeit werden digitale Medien im Schulalltag eine immer größere Rolle spielen, sei es im Unterricht direkt oder nach Schulschluss. Auch Themen wie Datenschutz oder eLearning sind heute schon sehr wichtig. Mit dem SchulButler glauben wir eine gute Grundlage geschaffen zu haben, damit diese Entwicklung die Schüler(innen) auf einem hohen Niveau unterstützt und deren Lernprozess effektiv aufwertet.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Ziel ist es, den SchulButler stetig weiterzuentwickeln. Dies soll in enger Zusammenarbeit mit den Nutzern erfolgen, um eine größtmögliche Benutzerfreundlichkeit garantieren zu können. Des Weiteren zählen das Beenden meines Studiums sowie das fortlaufende Aneignen von Know-How zu meinen Zielen. Auch in der kommenden Zeit möchte ich meine Ideen mit diesem Gedanken vorantreiben: Bildung beginnt mit Neugier.