Syrien: Berichte über Tod von Assads Cousin

Damaskus/Istanbul – Regimegegner berichteten in der Nacht zum Mittwoch von dem Vorfall. Ihren Informationen zufolge war der Tod Hilal al-Assads, eines Cousins des Präsidenten Baschar al-Assad, Auslöser der Gewalt.

An den Ausschreitungen in Al-Kardaha sollen Angehörige der alawitischen Familienclans Othman, Al-Cheir, Kanaan, Schalisch und Assad beteiligt gewesen sein. Das Dorf Al-Kardaha liegt in der Küstenprovinz Latakia. Hilal war nach Angaben verschiedener Oppositionsgruppen am vergangenen Wochenende nach einem Streit um Geld von einem Vertrauten getötet worden. Anderen Berichten zufolge soll er von einem Vertrauten an die Rebellen verraten worden sein, die ihn abgepasst und getötet hätten.

Hilal al-Assad war der Sohn eines Halbbruders von Hafiz al-Assad. Seit der Machtübernahme durch Hafiz im Jahre 1971 rückten Angehörige der alawitischen Minderheit in Schlüsselpositionen der Regierung, des Sicherheitsapparats und der Wirtschaft auf. Die Loyalität dieser Bevölkerungsgruppe ist für das Regime lebensnotwendig.

Syrische Mafia: Clans aus Kardaha beherrschen Wirtschaft, Kriminalität und Militär

Der Assad-Clan und mit ihnen verwandte oder durch Heirat verbundene alawitische Familien aus Kardaha, wie etwa die Schalischs oder die Makhloufs, kontrollieren Syrien durch mafiöse Methoden. Während einige Verwandte des Präsidenten große Bau- oder Telekommunikationsfirmen besitzen und jährlich Milliardengewinne einfahren, sind andere Clanmitglieder in den Drogen- und Waffenschmuggel involviert. Die für viele Gräueltaten verantwortlich gemachten Schabiha werden ebenfalls von einem Cousin Baschars kontrolliert.

Fast jedes höhere Amt in den etlichen syrischen Geheimdiensten und der Republikanischen Garde besetzen Angehörige der Kardaha-Familien. Dieses perfide System, in dem die gleichen Familien sowohl die Kriminalität als auch die legale Wirtschaft und die Sicherheitsorgane beherrschen, existiert schon seit Jahrzehnten. Einem Bericht der Financial Times zu Folge kontrollierte Rami Makhlouf, ein Cousin Baschars und reichster Mann des Landes, vor dem Bürgerkrieg bis zu 60 Prozent der syrischen Wirtschaft.

Jedoch ist dieser bewaffnete Zwischenfall innerhalb der alawitischen Clans nicht der erste seiner Art. Bereits im Herbst vergangenen Jahres kam es in einem Kaffeehaus in Kardaha zu einer wilden Schießerei mit mehreren Toten, nachdem es ein Wortgefecht zwischen einem anderen Cousin von Präsident Baschar und einer weiteren Person gegeben hatte. (dpa/dtj)