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Thailand schiebt Uiguren nach China ab – Ausschreitungen vor Botschaft in Ankara

Unter dem Protest von Menschenrechtlern hat Thailand 90 Menschen nach China abgeschoben, die dem Volk der muslimischen Uiguren angehören. Ein Regierungssprecher bestätigte am Donnerstag den Abflug der Maschine vom Don-Mueang-Flughafen in Bangkok.

Nach Angaben der Exilgruppe „Weltkongress der Uiguren“ leisteten die Menschen beim Besteigen der Maschine vergeblich Widerstand. Ihnen drohten strenge Strafen in China, womöglich sogar die Hinrichtung. Menschenrechtler wie Human Rights Watch werfen China religiöse Verfolgung der Uiguren vor. Peking betrachtet viele Uiguren als Separatisten und wirft ihnen zahlreiche Anschläge vor. Mehr zu den Hintergründen hier.

Thailändisches Konsulat in Istanbul attackiert

Thailands Behörden hatten im vergangenen Jahr mehr als 250 Uiguren ohne Visa aufgegriffen und festgenommen. Die Abschiebung sei „nach Protokoll“ erfolgt, sagte der Sprecher, also nach Identifizierung von China als Heimatland. 173 seien bereits Anfang der Woche in die Türkei abgeschoben worden, die sie als Heimatland angegeben hatten.

Die geplante Abschiebung nach China hatte sich unter Uiguren in der Türkei herumgesprochen. In der Nacht attackierten einige nach Angaben des Regierungssprechers das thailändischen Konsulat in Istanbul. Sie hätten Scheiben eingeworfen, seien in das Gebäude eingedrungen und hätten die thailändische Fahne eingeholt. Der türkische Sender Hürriyet-TV zeigte ein Video der Übergriffe.

Auch in Ankara kam es vor der thailändischen Botschaft zu Tumulten. Auf Aufnahmen war zu sehen, wie eine Frau mit asiatischen Gesichtszügen von einer wütenden Menschenmenge bedrängt und angegriffen wurde. Ein Mann schlug ihr mit einer türkischen Flagge auf den Kopf. Ein anderer Mann – offenbar ein Passant – brachte die völlig verängstigte Frau in Sicherheit. Die türkische Polizei postierte Einheiten vor dem Gebäude. Das thailändische Außenministerium rief Thailänder in der Türkei über Twitter zur Wachsamkeit auf. In den letzten Tagen hatte es in der Türkei vermehrt Übergriffe gegen Chinesen gegeben. (dtj/dpa)

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