Ersun Yanal mit einigen Spielern seiner Mannschaft, unter anderem Mehmet Topal - zaman

Fenerbahçe dominiert bislang die Süper Lig nach Belieben und steht mit sechs Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze. Dabei stand der Saisonbeginn nicht gerade unter den besten Vorzeichen. Nachdem man in der Champions-League-Qualifikation gegen Arsenal London kein Land sah und sich mit der Europa League zufrieden geben musste, wurde dem türkischen Vizemeister selbst dieser Startplatz verwehrt. Die UEFA disqualifizierte „Fener“ aufgrund der Verwicklungen in den Manipulationsskandal der Saison 2010/2011 für weitere zwei Jahre aus allen europäischen Wettbewerben. Daher blieben dem 18-maligen türkischen Meister nur die türkische Meisterschaft und der nationale Pokalwettbewerb. Der neue Trainer Ersun Yanal ist bisher auf dem besten Weg, die 19. Meisterschaft mit Fenerbahçe einzufahren.

Am Ende der letzten Saison musste Aykut Kocaman nach der verlorenen Meisterschaft und einem Disput mit Klub-Boss Aziz Yıldırım seine Koffer packen. Der Vorjahrescoach hatte sowohl Gegner als auch Befürworter in seinem Kreise. Zwar war er mit dafür verantwortlich, dass Fener-Legende und Identifikationsfigur Alex de Souza den Verein trotz langjähriger Treue mitten in der Saison verließ, dennoch konnte er auf der anderen Seite mit sportlichen Erfolgen beeindrucken. Denn Fenerbahçe holte unter Kocamans Regie nicht nur nach 29 Jahren Abstinenz den türkischen Pokal. Er führte die Blau-Gelben auch bis in das Halbfinale der Europa League in der vergangenen Spielzeit. Ersun Yanal – vorher unter anderem bei Genclerbirliği, Trabzonspor, Eskişehirspor und auch als türkischer Nationaltrainer aktiv – trat daher ein schweres Erbe an, wusste bislang jedoch zu überzeugen. Außer der Auftaktniederlage bei Torku Konyaspor (2:3) blieb der 51-Jährige in den darauf folgenden 12 Ligaspielen bisher ungeschlagen. Lediglich die Titelkonkurrenten Trabzonspor (0:0) und Beşiktaş (3:3) konnten jeweils einen Punkt aus dem Şükrü-Saraçoğlu-Stadion entführen.

Yanal setzt auf das Kollektiv

Auch das überraschende und peinliche Pokalaus gegen das Zweitliga-Schlusslicht Fethiyespor (1:2) ändert nichts an der Tatsache, dass Fenerbahçe und Yanal gut miteinander harmonieren. Gegenüber der vereinseigenen Zeitschrift erklärte Mittelfeld-Motor Mehmet Topal, dass Yanal positiv auf die Mannschaft einwirke und den Teamgeist fördere. „Unser Trainer hat eine Persönlichkeit inne, die der Mannschaft das kollektive Spiel aneignet. Er fordert permanent die Flügelspieler dazu auf, sich am Spiel aktiv zu beteiligen. Wenn Gökhan (Gönül) und Caner (Erkin) nach vorne gehen, soll ich die Defensive organisieren und gelegentlich auch selbst vorstoßen. Wir versuchen das Spiel analog zu den Anweisungen unseres Trainers auszurichten. Sein Fußballwissen ist ein großes Plus für uns“, lobte der türkische Nationalspieler seinen Coach.

„Wollen unbedingt Meister werden“

Im Titelrennen läuft es momentan sehr gut für Fenerbahçe. Auch die sogenannten „kleinen Gegner“ werden – wenn nötig auch mit Siegtreffern in der Nachspielzeit – geschlagen, während die Konkurrenz noch zu unbeständig auftritt. Darüber hinaus musste sich der Titelverteidiger und Erzrivale Galatasaray fast schon traditionell seinem Schicksal in Kadıköy ergeben und verlor in einem zwar schwachen, aber von Fenerbahçe dominierten Derby mit 2:0. Topal, zwischen 2006 und 2010 bei Galatasaray gewesen, unterstrich Fenerbahçes Titelambitionen: „Dieses Jahr wollen wir unbedingt die Meisterschaft gewinnen. Wir werden bis zur letzten Minute für den Titel kämpfen.“