Türkische Fußballer ARCHIV 03.03.2019, Foto: Fabian Sommer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Der türkische Fußball hat Höhen und Tiefen. Mal ist man bei großen Turnieren dabei, trumpft richtig auf und erreicht einfach Mal so das Halbfinale. Beispielsweise bei der FIFA Fußballweltmeisterschaft 2002, oder bei der UEFA Europameisterschaft 2008. Danach verpasst man mit der selben Truppe Mal eben die nächsten zwei, drei Turniere. Auch das zeichnet den türkischen Fußball aus. Selbst erfolgreiche Generationen halten den Erfolg nicht, es gibt quasi keine Konstanz. Deshalb steht bei jedem Turnier eine völlig neue Generation auf dem Rasen.

Türkische Fußballer waren eine Rarität in ausländischen Ligen

In der Vergangenheit war es eine ganz besondere Sache, wenn türkische Fußballer ins Ausland transferiert wurden. Als nach der WM 2002 Rüstü Reçber hinter Oliver Kahn der zweitbeste Torhüter des Turniers gekürt wurde, kam es zu einem bemerkenswerten Transfer. Der FC Barcelona nahm den türkischen Goalkeeper von Fenerbahce Istanbul unter Vertrag. Auch wenn seine Tage in Spanien schnell gezählt waren, war es ein stolzer Moment für türkische Fußballfans.

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Doch auch andere Spieler gingen allmählich nach Europa. Nach dem UEFA-Cup Sieg von Galatasaray Istanbul vor rund 20 Jahren wurden Spieler wie Emre Belözoglu, Okan Buruk, Hakan Sükür und Tugay Kerimoglu zu Legionären. Echten Erfolg konnten nur Emre Belözoglu und Tugay Kerimoglu vermelden. Emre stand zunächst als türkische Youngster bei Inter Mailand und im Anschluss als wertvoller Mittelfeldmann bei Newcastle United unter Vertrag. Dann wechselte Emre zu Fenerbahce an den Bosporus, ging zwischendurch zu Atletico Madrid und wurde dort Mitspieler von Arda Turan, ehe er danach wieder zu Fenerbahce zurückkehrte. Tugay Kerimoglu ging direkt in die Premier League, spielte bei Blackburn Rovers zu einer Spielerlegende auf und beendete seine Karriere als Rekordspieler der mittlerweile zweitklassigen Traditionsmannschaft.

Junge türkische Fußballer heute gefragter denn je

Heute haben weder die türkische Nationalmannschaft, noch die türkischen Clubs einen nennenswerten Erfolg. Dennoch ist in den letzten zwei Jahren ziemlich viel Bewegung in den türkischen Transfermarkt eingetreten. Das Interesse europäischer Top-Clubs nach türkischen Talenten ist sehr hoch. Heute steht mit Cengiz Ünder der wohl begehrteste türkische Fußballer beim AS Rom unter Vertrag. Der ehemalige Schüler der türkischen Nachwuchsschmiede Altinordu FC ist einer der wichtgisten Angreifer der Römer. Sein Marktwert wird von Transfermarkt auf 35 Millionen Euro geschätzt. Bei einem Transfer müsste ein Käufer vermutlich weit höhere Summen bewegen, damit der Außenstürmer Rom verlassen darf.

Transfer-Boom – Türkische Fußballer im Ausland die Zukunft?

Vergangene Saison wechselte dann zunächst Ozan Kabak von Istanbul nach Stuttgart und steht nach dem Abstieg des VfB in die Zweitklassigkeit nun beim FC Schalke 04 unter Vertrag. Der Traditionsverein aus dem Ruhrpott ließ sich trotz schlechter wirtschaftlicher Basis Ozan Kabak nicht wegschnappen und profitierte von dessen Ausstiegsklausel. Dabei konkurrierten die Schalker sogar mit den übermächtigen Bayern München und überboten diese in der Transferabsicht. Sie überwiesen eine satte Transfersumme von 15 Millionen Euro, um sich die Dienste des Verteidigers zu sichern. Wie das Nachrichtenportal ruhr24 schreibt, „nur 15 Millionen“. Ein Schnäppchen also.

Ein weiterer Verkauf von Altinordu nach Europa gelang im Sommer 2016. Der Innenverteidiger Çaglar Söyüncü ging für knapp 3 Millionen in die Bundesliga und unterschrieb beim SC Freiburg. Nur ein Jahr später wurde er für 21 Millionen Euro von FC Leicester City verpflichtet. Auf Transfermarkt hat Söyüncü derzeit einen geschätzten Wert von 15 Millionen Euro. Verkauft wurde er bereits für mehr Geld. In Zukunft könnte es den Puyol-ähnlichen Innenverteidiger zu größeren Abenteuern verleiten, wenn er in der hart umkämpften Premier League eine ordentliche Leistung abliefert.

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Türkische Fußballer, Juventus und Cristiano Ronaldo

In dieser Transferperiode gab es weitere Bewegung. Der türkische Innenverteidiger Merih Demiral ging für 18 Millionen Euro vom FC Sassuolo zu Juventus Turin und darf nun Mitspieler von Cristiano Ronaldo sein. Nach Mesut Özil, Nuri Sahin und Hamit Altintop der vierte Türke, der vom Portugiesen Tips und Tricks abgucken darf. Auf diesen Wissenstausch vertrauen türkische Sportkommentatoren und sehen in Spielern wie Merih Demiral eine goldene Zukunft für die türkische Nationalmannschaft.

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Ein weiterer Hoffnungsträger des türkischen Fußballs heißt Yusuf Yazici. Der Zehner spielte in der vergangenen Saison einen überragenden Fußball bei Trabzonspor und wurde für 16,5 Millionen Euro Plus etwaige Boni an den LOSC Lille verkauft. Sein ehemaliger Mitspieler Abdülkadir Ömür steht nach Angaben von türkische Sportjournalisten auf dem Zettel zahlreicher Top-Vereine. Der wendige Mittelfeldspieler wird indes mit dem Lionel Messi verglichen. Natürlich sind solche Vergleiche oft nur sehr marginal und erzeugen auch einen Druck bei jungen Talenten, doch sein Spielstil erinnert tatsächlich an den Weltstar. Das lässt türkische Fans nur noch weiter hoffen.

Türkische Fußballer im Ausland: Von Abwehr bis in den Sturm

Weitere Spieler türkischer Abstammung im Ausland sind der Stürmer Cenk Tosun (Sturm, FC Everton), Zeki Celik (Verteidigung, LOSC Lille), Hakan Calhanoglu (AC Mailand), Mert Müldür (Verteidigung, FC Sassuolo), Mert Cetin (Verteidigung, AS Rom), Okay Yokuslu (Mittelfeld, Celta Vigo), Enes Ünal (Sturm, Real Valladolid)