In den Kommentarspalten von DAZN geht es derzeit hoch her. Foto: Screenshot / https://www.facebook.com/DAZNDE/

Innerhalb weniger Jahre hat es der 2016 gestartete Sport-Streaming-Anbieter DAZN geschafft, sich nachhaltig einen Namen zu machen. Im Programm enthalten sind nicht nur Fußballspiele aus aller Welt, sondern auch Basketball, American Football oder Tennis. Selbst Darts, bisher eher als Randsportart bekannt, erfährt auch dank DAZN mittlerweile großen Zulauf. Der Vorteil ist, dass der Nutzer die Spiele größtenteils nicht nur live gucken kann, sondern auch on demand. Auch kann er oft zwischen kurzen und ausführlichen Highlights und voller Länge wählen. Der monatliche Preis ist moderat, die Abonnenten können ihr Abo zudem nach Wunsch pausieren, ohne kündigen zu müssen.

Die große Beliebtheit des Streamingdienstes äußert sich auch in den Sozialen Medien. Auf Facebook, Twitter und Co. haben Millionen Follower den jeweiligen DAZN-Kanal abonniert und geliked. Während das in „guten Zeiten“ ein großer Pluspunkt ist, birgt das in Zeiten eines Shitstorms aber auch eine große Gefahr in sich.

DAZN-Kommentator erinnert an Militärgruß türkischer Spieler

Einem solchen Shitstorm sieht sich DAZN nämlich aktuell ausgesetzt. Angesichts der heftigen Dimension kann man eigentlich gar nicht mehr von einem Shit“storm“ sprechen. Was ist passiert? DAZN übertrug am Wochenende das Serie A-Spiel zwischen AS Rom und Juventus Turin. Eine Partie, die auch türkische Fußballfans besonders interessierte, da bei beiden Klubs mit Cengiz Ünder (Rom) und Merih Demiral (Turin) je ein türkischer Nationalspieler zum Einsatz kam.

Das Problem aus Sicht der türkischen Fans: Der DAZN-Kommentator nahm sich heraus, sich während der Begegnung auch zum Militärjubel der türkischen Nationalmannschaft, der im Oktober hohe Wellen geschlagen hatte, zu äußern. „Merih Demiral und Cengiz Ünder sind im Herbst vergangenen Jahres mit diesem fragwürdigen, wenn nicht sogar idiotischem Gruß auffällig geworden“, lauteten seine Worte.

Tastaturen laufen heiß

In den Augen der Fans und mutmaßlichen DAZN-Abonnenten hat er damit eine Grenze überschritten. Sie laufen Sturm und überziehen die Kommentarspalten der jeweiligen DAZN-Posts − auch wenn diese inhaltlich nichts mit dem Spiel Rom-Turin zu tun haben oder sich sogar auf eine andere Sportart beziehen − mit unzähligen Fotokommentaren, Memes und GIFs. Diese zeigen in der Regel den angesprochenen Militärgruß der türkischen Nationalspieler oder nur von Merih Demiral. Verknüpft werden die Kommentare mit der Drohung oder Warnung, das DAZN-Abo zu kündigen.

Augenscheinlich nicht-türkische User beteiligen sich ebenfalls an dem Shitstorm, indem sie sich über die Kommentare der türkischen User lustig machen, die sich daraufhin noch mehr provoziert fühlen und sich weiter echauffieren. DAZN selbst hat sich bis jetzt noch nicht geäußert und macht auch keine Anstalten, die aus dem Ruder laufenden „Diskussionen“ zu moderieren. Offensichtlich sind die Social media-Teams des Anbieters mit der Situation komplett überfordert. Die türkischen Anhänger fordern eine öffentliche Entschuldigung seitens DAZN für diesen Kommentar. Einige wollen gar, dass der Kommentator entlassen wird.

EM-Teilnahme von Demiral auf der Kippe

Die heftigen Reaktionen sind womöglich auch zum Teil der schweren Verletzung Demirals geschuldet, die er sich in besagtem Spiel zuzog. Der 21-Jährige, der als großes Abwehrtalent gilt, wird sehr wahrscheinlich die im Sommer stattfindende EM verpassen. Einige User schlugen schon vor, dass DAZN auf Facebook die Kommentarfunktion deaktivieren sollte, bis der Shitstorm „vorbeigezogen“ ist. Wann es soweit sein wird, ist im Moment nicht abzusehen.

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass Teile der türkischstämmigen Community in Deutschland zu einer Kündigung bzw. einem Boykott aufrufen. Vor einigen Jahren etwa traf der Zorn vieler die Drogeriekette DM.