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 Ein türkisches Gericht hat im Berufungsverfahren eine Haftstrafe gegen die bekannte regierungskritische Journalistin Pelin Ünker annulliert. Das bestätigte Ünker der Deutschen Presse-Agentur am Montag. Ünker war im Januar nach Recherchen zu den sogenannten «Paradise Papers» wegen Beleidigung von Ex-Ministerpräsident Binali Yıldırım und seinen Söhnen zu rund einem Jahr Haft verurteilt worden. Sie müsse nun noch eine Strafe von 7000 Lira (knapp 1050 Euro) zahlen, sagte sie am Montag. Zur Begründung des Gerichts konnte sie zunächst nichts sagen. Auf Twitter schrieb sie: «Manchmal passieren türkischen Journalisten auch gute Dinge.» 

Mit den 2017 veröffentlichten «Paradise Papers», insgesamt 13,4 Millionen Dokumente, hatten internationale Medien Finanzgeschäfte von Politikern, Prominenten und Konzernen über Briefkastenfirmen offengelegt. Die sind nicht zwangsläufig illegal, können aber zur Steuervermeidung genutzt werden. 

Ünker recherchierte über türkische Firmen

Ünker hatte als Wirtschaftsredakteurin bei der türkischen Tageszeitung «Cumhuriyet» an der Recherche mitgearbeitet und war Spuren zu türkischen Firmen mit Sitz in Malta gefolgt. Einige führten zu den Söhnen von Binali Yıldırım. 

Ein zweites Verfahren, das wegen ähnlicher Vorwürfe unter anderem der Finanzminister und Schwiegersohn von Präsident Recep Tayyip Erdoğan, Berat Albayrak, angestrengt hatte, war schon Ende März eingestellt worden. Die Anklageschrift sei nicht in der vorgeschriebenen Zeit von vier Monaten vorgelegt worden, sagte Ünkers Anwalt