Erdogan und Poroschenko.

Die ukrainische Finanzministerin Natalija Jaresko hat vor der Nachrichtenagentur Anadolu im Londoner Think Tank Chatham House angedeutet, dass die Ukraine vom türkischen Vorbild lernen möchte. Die Türkei habe zu Beginn des Jahres 2000 vor großen finanziellen Problemen gestanden und es sei als ein großer Erfolg für das Land zu werten, dass die Türkei die Schulden restlos abbezahlen konnte. Die Türkische Zentralbank hatte die letzte Rate an den Weltwährungsfonds am 14. Mai 2013 überwiesen. Das sei eine Leistung gewesen, die man in der Geschichte des Landes als historisch bezeichnen kann.

Währung im freien Fall gefährdet Schuldenabbau

Die Abspaltung der Halbinsel Krim samt Eingliederung in den Staatsverband der Russischen Föderation und der anhaltende bewaffnete Konflikt zwischen Regierungstruppen und prorussischen Rebellen im Osten des Landes nach dem Staatsstreich vom Februar 2014 haben die Wirtschaft der Ukraine schwer getroffen.

Die Währung der Ukraine, die Hrywnja, befindet sich im freien Fall. Kostete ein US-Dollar zu Beginn des Jahres noch acht Hrywnja, waren es zu Anfang März bereits mehr als 30 Hrywnja. US-Ökonomen setzen die Inflation der Ukraine bei weit über 200 Prozent an.

Das durchschnittliche Monatseinkommen eines Ukrainers liegt bei ca. 130 €, der Mindestlohn liegt unter jenem in Bangladesch bei knapp 40 € im Monat. Der Westen müsste tief in die Tasche greifen, um den wirtschaftlichen Zerfall des Landes aufzuhalten.

Humanitäre Hilfe durch die Türkei

Um einen wirtschaftlichen Zusammenbruch des Landes zu verhindern, hat das Land seit dem Beginn der Krise finanzielle Hilfspakete in Höhe von 17,5 Milliarden Dollar erhalten. Weitere 35 Milliarden Dollar sind zur Stützung bei internationalen Geldgebern im Gespräch.

Die Türkei hat sich zu einem Hilfspaket in Höhe von 50 Millionen Dollar für die Ukraine entschlossen. Finanzministerin Jaresko sagte weiter, dass Ankara weitere zehn Millionen Dollar an humanitärer Hilfe zur Verfügung stellen werde. Jaresko rief türkische Unternehmer auf, in ihrem Land zu investieren. Die Ukraine brauche jetzt Unterstützung im Bausektor und der Infrastruktur.