Fatih Terim, der Trainer der türkischen Fußball-Nationalmannschaft, ist nicht grade für Sentimentalitäten bekannt. Er stammt aus Adana, war ein eisenharter Verteidiger und verlangt als Fußball-Lehrer immer alles von seinen Spielern, die er bis in die Haarspitzen motivieren kann.

So war es bei Galatasaray, wo er vier Mal in Folge den Meistertitel und zum Abschluss den UEFA-CUP gewann, was noch keine andere türkische Mannschaft zuvor schaffte, so war es auch bei der Euro 2008, als er mit der Türkei bis ins Halbfinale vorstieß.

Und auch gestern vollbrachte er etwas, was wohl er auch selbst nicht mehr für möglich gehalten hätte. In letzter Minute qualifizierte sich die Türkei noch direkt für die Endrunde in Frankreich – als bester Gruppendritter.

Terim lässt tief blicken

Doch in der Stunde des Erfolgs stellte Terim nicht sich selbst in den Vordergrund, sondern ließ tief in seine Gefühlswelt blicken.

„Wir haben etwas Großartiges geschafft. Aber wäre doch bloß keines unserer Kinder gestorben und wir wären stattdessen nicht nach Frankreich gefahren. Und ich wäre auch bereit, auf die WM zu verzichten“, sagte er mit feuchten Augen.

In den letzten vier Monaten sind in der Türkei fast 400 Menschen gestorben, hauptsächlich Soldaten und Polizisten, aber auch Zivilisten, wie am vergangenen Samstag beim brutalen Anschlag in Ankara.

„Wir haben kaum noch Kraft, uns zu freuen“, so ein bedrückter Terim mit Blick auf die Ereignisse der letzten Wochen.

Ein offensiver Trainer ohne Stürmer

Zum Spiel gegen Island sagte er, dass es ein schwieriger Gegner gewesen sei. Er habe versucht, die Spielkontrolle zu behalten, da jeder noch so kleine Fehler bestraft werde. Er hob insbesondere Linksverteidiger Caner hervor. „Nachdem wir erfuhren, dass Kasachstan in Führung gegangen war, haben wir das Risiko erhöht. Und sind schließlich belohnt worden.“ Terim hatte das Spiel ohne echten Stürmer begonnen. Für ihn ein sehr ungewöhnlicher Schachzug – der ihm aber letztlich Recht gab.

Wie die Türkei es doch noch direkt nach Frankreich geschafft habe, wollte ein Journalist wissen. „Du verlierst nicht, wenn du ein Spiel verlierst, sondern wenn du dich aufgibst. Wir haben uns nie aufgegeben, nach keiner Niederlage. Das hat uns hierher gebracht“, so der Coach.

Es sei eine große mentale Anstrengung gewesen, die Spiele gegen Tschechien und Island zu bestreiten. Terim schloss seine Ausführungen mit folgenden Worten ab: „Wenn jemand leidet, leiden wir mit. Meine Spieler sind hier in dieser Atmosphäre und Anspannung aufs Feld gegangen. Aber die Menschen in meinem Land geben meinen Spielern keine Ruhe. Ich bin bereit, auf die Endrunden zu verzichten, wenn unsere Kinder nicht sterben. Ein Menschenleben kommt nicht zurück, wenn man es einmal verloren hat, aber Meisterschaften kommen wieder.“