Tausende Menschen mussten in Berlin und Koblenz wegen der Entschärfung von Weltkriegsbomben am Sonntag ihre Häuser verlassen. Beamte der Berliner Polizei begannen am Morgen damit, Anwohner rund um den Fundort einer Fliegerbombe nahe dem Jüdischen Museum in Kreuzberg in Sicherheit zu bringen. Mit Flugblättern waren die Anwohner bereits am Samstag über die Evakuierung in einem Sperrkreis von mehreren hundert Metern um das Museum informiert worden. Bis zu 11 000 Menschen könnten betroffen sein. Zwei U-Bahnlinien wurden teilweise unterbrochen, Busse umgeleitet.

Die 250 Kilogramm schwere Weltkriegsbombe war bei Bauarbeiten entdeckt worden. Der Einsatz dauerte bis in die Abendstunden.

In Koblenz waren rund 5000 Anwohner betroffen: Der Sicherheitsradius betrug 500 Meter. Der US-amerikanische 250-Kilogramm-Blindgänger wurde am vergangenen Mittwoch bei Bauarbeiten an einer Grundschule gefunden. Die in vier Meter Tiefe liegende Bombe mit zwei Zündern war laut dem Kampfmittelräumdienst Rheinland-Pfalz schwer zugänglich. Daher zog sich die Entschärfung mehrere Stunden hin.

Noch 100.000 Bomben unter der Erde

Auch wenn der Zweite Weltkrieg seit 70 Jahren vorbei ist, seine Hinterlassenschaften sind immer noch nicht beseitigt, wie die Fälle in Berlin und Koblenz zeigen. Zwischen den Jahren 1940 und 1945 warfen alliierte Kampfflugzeuge über 1.350.000 Tonnen Sprengstoff über Deutschland ab. Besonders Großstädte sowie Ballungsräume wie das Ruhrgebiet waren vorrangige Ziele der Bombardements. Experten schätzen, dass ungefähr jeder Zehnte Bombe ein Blindgänger war, also nicht explodierte.

Besonders bei Bauarbeiten werden die Bomben entdeckt. Jährlich werden etwa 5500 Blindgänger entschärft. Dabei kommt es manchmal zu Unfällen. 2008 kam in Nordrhein-Westfalen ein Landwirt ums Leben. Bei Mäharbeiten hatte sich eine Phosphorgranate ausgelöst. Zwei Jahre später explodierte in Göttingen eine amerikanische Fliegerbombe, drei Sprengstoffexperten wurden getötet; sechs wurden verletzt, zum Teil schwer. Seit 2000 starben in Deutschland insgesamt 11 Mitarbeiter bei Versuchen, Bomben zu entschärfen. Experten gehen davon aus, dass in Berlin und Hamburg noch 3000 unentdeckte Bomben unter der Erde liegen. Insgesamt sollen in Deutschland noch 100.000 Blindgänger auf ihre Entdeckung und Entschärfung warten. (dpa/dtj)