Viele Türken protzen damit, das erste türkische Auto bald fahren zu können und meinen damit, gegen Europa anzukommen; vergessen aber, dass Europa sich bereits mit viel weiter entwickelten Dingen beschäftigt, mit selbstfahrenden Autos zum Beispiel.

Die Türkei hingegen hat immer noch keinen wirklich fortschrittlichen Technologiesektor. Allein ein Blick auf das Budget des Technologieministeriums zeigt, wie viel Wert das Land diesem Feld tatsächlich beimisst. Es reicht nicht, Brücken und mehrstöckige Häuser zu bauen, um dann zu sagen „Wir sind die Weltmacht!“ Dabei hatte das Land von 2002 bis 2010 vielen Hoffnung gemacht.

Aber das bedeutet natürlich nicht, dass die Türken in Sachen Technologie keine Ahnung hätten. Im Gegenteil: Schon zu Zeiten der Osmanen gab es viele Entwicklungen, die durch Türken geprägt worden waren. Und auch heute bringt das Land noch viele kluge Köpfe hervor. Einer davon ist Dr. Umut Yıldız, ein Wissenschaftler, der für die NASA arbeitet. Einer, der von Türken gefeiert wird.

Der junge Wissenschaftler ist sich keineswegs zu schade, Fragen junger Türken bezüglich seines Berufs zu beantworten. Seine türkischen Wurzeln will er nicht vergessen und dem Land auch dabei helfen weitere Wissenschaftler zu erziehen. Deshalb nimmt er auch die allermeisten Einladungen aus der Türkei an und hält Vorlesungen an türkischen Universitäten. In diesen wird er wie ein Popstar gefeiert. Er versucht keine Frage über das All oder über die NASA unbeantwortet zu lassen. Wenn er mal nicht in seine alte Heimat kommen kann, baut er rasch eine Liveverbindung via Periscope auf und zeigt den türkischen Studenten das NASA-Institut, für das er arbeitet. Oft erhält er auch einfach nur Briefe mit Fragen, auf die er mittels eines Videos antwortet.
„Abi, kann ich auch bei der NASA arbeiten?“

„Die Briefe Eurer Träume“

Dies hat damit begonnen, sagt er, „dass in den sozialen Medien ein Brief kursierte, in dem ein Jugendlicher Namens Murat Fragen an die NASA gerichtet hatte.“ Dr. Yıldız sah diesen Brief, wollte diesem Jungen unbedingt helfen und hat ihm über Twitter geantwortet. Diese Antwort sei dann in den sozialen Netzwerken dermaßen zum Hit geworden, dass daraus Blogbeiträge geschrieben wurden. Schnell machte Yıldız daraus ein Twitter-Hashtag: #HayallerinizinMektupları (Die Briefe Eurer Träume).

Unter diesem Hashtag bekommt der junge Wissenschaftler jede Art von Fragen: „Gibt es wirklich Aliens?“, „Abi, wie viel Geld verdienst Du?“, „Können wir auch bei der NASA arbeiten?“

Wir trafen Yıldız an der İstanbuler Aydın Üniversität. Aber lassen Sie uns ihn erst einmal kennenlernen. Wer ist der Türke, der bei der NASA arbeitet?

Er habe als Kind zwar Interesse am All gehabt, wollte auch in dieser Branche arbeiten; aber, dass er mal bei der NASA arbeiten werde, das haber niemals vorstellen können, sagt der junge Wissenschaftler. Er hat nach seinem Abitur an der Ankara-Univeristät Astronomie studiert. Sein  Stdium setzte er danach in London und den Niederlanden fort.

Wie hat er es in die NASA geschafft? Dss sei eine sehr interessante Geschichte, sagt er. Interessant deshalb, weil er die Fragen, die an ihn heute gestellt werden, damals an jemand anderen gerichtet hatte: „Kann ich auch bei der NASA arbeiten?“ Bei ihm sei der ausschlaggebende Grund jedoch eine Untersuchung gewesen, bei der es um die Frage ging, ob es bei der Entstehung von Sternen Sauerstoffmoleküle gab oder nicht: „Mein Doktorvater arbeitete bei der NASA. Wir haben ungefähr drei Jahre an einem Essay gearbeitet. Dieses Essay handelte davon, dass Sauerstoffmoleküle bei der Entstehung von Sternen nicht festgestellt worden waren. Es war fertig, ich hatte meinen Doktortitel und habe dann meinen Doktorvater gefragt, ob ich nicht nach der Promotion bei der NASA arbeiten könne.

Daraufhin habe ich der NASA einen Projektvorschlag von über 15 Seiten vorgelegt und wurde eingestellt.“ Wenn man ihn reden hört, könnte man denken, es sei leicht, bei der renommiertesten Raumfahrtbehörde der Welt anzufangen. Yıldız findet, dass eigentlich jeder, der ein originelles Projekt vorlegt, bei der NASA arbeiten kann. Sie wolle lediglich die Antwort hören, dass man dieses Projekt nur hier verwirklichen kann. Es könne nämlich sein, dass Projektverantwortliche der NASA sagen „Wenn Sie das Projekt woanders verwirklichen können, dann machen Sie es dort; halten Sie uns damit bitte nicht auf.“

Mehrere Absagen von anderen Institutionen, Zusage von NASA

Yıldız‘ Bewerbungsgeschichte ist auch ein gutes Beispiel dafür, dass man bei Bewerbungsabsagen nicht die Motivation verlieren sollte. 10 andere Institutionen hätten ihn vorher abgelehnt, sagt er.

Der junge Wissenschaftler ist ferner auch ein Symbol der Bescheidenheit. Er will, dass mehr Türken bei Institutionen wie der NASA arbeiten, damit er nicht mehr als „das Vorbild“ angesehen wird: „Wenn die Zahl der Türken bei der NASA steigen würde und ich endlich als normaler Mensch angesehen werde, wäre das sehr erfreulich. Schauen Sie wie viel Aufmerksamkeit mir geschenkt wird. Warum? Weil hier sehr wenige Türken sind. Hier arbeiten 40 Franzosen, 60 Spanier. Die behandeln das Thema ‚Der Franzose bei der NASA‘ gar nicht, weil das hier ganz normal ist.“

Nichtsdestrotz will er weiter die Fragen beantworten, die ihm gestellt werden. Er will, dass auch sein Land in Zukunft eine wichtige Rolle auf diesem Feld spielt und appeliert an Menschen, die nicht astronomieaffin sind: „Um bei der NASA zu arbeiten muss man nicht unbedingt Astronomie, Ingenieurswesen oder Naturwissenschaften studiert haben. Die NASA will 2035 die erste Reise auf den Mars für Menschen organisieren. Dies bedeutet eine neue Ära und wird unterschiedliche Kompetenzfelder, wie Weltraumrecht, Weltraummedizin, sogar Weltraumpsychologie mit sich bringen. Dies zeigt, dass das Ganze nicht nur mit Astronomie zu tun hat. Beispielsweise gibt es in der Türkei niemanden, der sich um Weltraummedizin kümmert. “

Insgesamt findet es „der Türke bei der NASA“ sehr schade, dass die Türkei bei den Weltraumwissenschafen so zurückgeblieben ist. Das Land habe einfach keine Weltraumpolitik. Dies würde sich auch nicht mit den wechselnden Regierungen ändern. Es brauche Budget. Es müsse nachhaltig festgelegt werden, damit das Thema nicht regierungsgebunden bleibe. So unter anderem das Verkehrsministerium, dessen Name sich je nach Regierung ändere: „Auch wenn eine türkische Weltraum-Agentur gegründet würde, bliebe das Ministerium so bestehen.“

Falls eine solche Agentur gegründet würde und dadurch eine türkische Weltraumpolitik entstehe, so der Wissenschaftler, würde er dort arbeiten wollen.

Während in den USA 300.000 Menschen aktiv mit der Weltraumpolitik beschäftigt seien, bliebe diese Zahl in der Türkei unter 1.000 und die meisten davon seien nicht aktiv.