Während die deutsche Wirtschaft durch die unsäglichen Russland-Sanktionen in den kommenden Monaten Einbußen in Milliardenhöhe zu erwarten hat, will der russische Gas-Riese Gazprom die Verkaufspreise für die Türkei senken.

Der russische Gaskonzern Gazprom arbeitet zur Zeit an einem detaillierten Preismodell für das für die Türkei bestimmte Erdgas – und scheint sich dabei an den türkischen Wünschen nach reduzierten Preisen zu orientieren. Das sagte Gazprom-Vizepräsident Alexander Medwedew auf dem vierten Internationalen Gasforum in St. Petersburg gegenüber Hurriyet Daily News.

„Wir betrachten die Preisdiversifizierung für die Türkei unter zwei Gesichtspunkten. Zum einen wollen wir für die türkischen Gasimporteure für dieses und das nächste Jahr einen Preis festlegen und zum zweiten arbeiten wir an einer Preisfindung für die staatliche türkische Gas-Pipeline-Gesellschaft BOTAŞ für das Jahr 2015. Wir bereiten spezielle Lösungspakete für beide vor“, sagte er gegenüber EnergyIQ, einer in der Türkei ansässigen Agentur für Marktanalysen. Weitere Angaben wollte Medwedew vorerst nicht machen.

Die Geschäftsführerin von Gazprom Export, Elena Burmistrova, wird die Türkei noch in diesem Herbst besuchen. Sie wird dort vom türkischen Energieminister und BOTAŞ-Vertretern sowie privaten Akteuren empfangen werden und dort ihre Vorstellungen zum Thema erläutern. „Danach werden wir alle Genaueres wissen“, so Medwedew.

Die Türkei ist in fast allen Belangen ihres Energiesektors von Importen abhängig und Russland ist ihr größter und wichtigster Gasversorger.

Preiserhöhung stärkt türkischen Markt

Der türkische Energieminister Taner Yıldız hatte in der vergangenen Woche um einen Preisnachlass für türkische Gaskäufe in Russland gebeten. Mittlerweile hieß es, dass die türkische Regierung in diesem Jahr sowohl die Strom- als auch die Gaspreise um 9 Prozent erhöhen werde.

„Ich glaube, dass die letzten Preiserhöhungen um 9 Prozent beim Gas ein positiver Schritt für den türkischen Markt sind. Der türkische Staat reguliert die Gaspreise, wobei diese Preise als niedrig zu bezeichnen sind, wenn wir zum Beispiel sehen, wieviel die Türkei für importiertes Gas aus dem Iran und anderen Ländern bezahlt. Das zeigt, dass die Dynamik der freien Märkte nicht richtig funktioniert. Mit der jetzigen Preiserhöhung können sich BOTAŞ, das türkische Energieministerium und der private Sektor eine vernünftige Preisgrundlage erarbeiten. Aus dieser Sicht betrachte ich die Preisanpassung um 9 Prozent als einen Schritt in die richtige Richtung“, sagte Medwedew.

Die jährlichen ca. 60 Milliarden Dollar an Energiekosten sind Hauptverursacher für das galoppierende Außenhandelsbilanzdefizit der Türkei, die Achillesferse der türkischen Wirtschaft. Um die steigende Gas-Nachfrage zu befriedigen, bemüht sich die Türkei ebenfalls, die Kapazität der Blue Stream Pipeline, die russisches Erdgas durch das Schwarze Meer in die Türkei transportiert, auf jährlich 3,5 Milliarden Kubikmeter zu erhöhen.