Der stellvertretende MHP-Vorsitzende Oktay Vural hat Erdoğan vorgeworfen, sich persönlich mit PKK-Führer Abdullah Öcalan auf İmralı getroffen zu haben.

Der stellvertretende Vorsitzende der türkischen Oppositionspartei Milliyetçi Hareket Partisi (dt. Partei der Nationalistischen Bewegung, kurz MHP), Oktay Vural, behauptete am Dienstag, Premierminister Recep Tayyip Erdoğan hätte sich bereits zum Zeitpunkt der ersten Gespräche zwischen PKK-Mitgliedern und führenden Regierungsoffiziellen in Oslo seinerseits mit dem inhaftierten Führer der Terrororganisation, Abdullah Öcalan, zu persönlichen Gesprächen getroffen.

Auf einer Wahlkampfveranstaltung der Idealistenbewegung in Antalya behauptete Vural, Erdoğan hätte sich mit Öcalan auf die Schaffung einer Region „Nordkurdistan“ in der Südosttürkei verständigt. „Dieser Pakt war wahrscheinlich das Resultat eines persönlichen Treffens. Ich bin sehr stark davon überzeugt“, meinte Vural, der diese Aussage auch in Anspielung auf eine Darstellung gemacht hatte, die über die sozialen Medien verbreitet wurde.

Bereits seit 2010 Verhandlungen mit der PKK-Führung

„Es ist offensichtlich, dass Erdoğan ihm auf Augenhöhe begegnet ist“, kommentierte Vural und erinnerte an eine kürzlich veröffentlichte Tonbandaufnahme, die Erdoğan dabei zeigte, wie er Milliyet-Eigentümer Erdoğan Demirören dafür zurechtgewiesen hatte, weil dieser ein Transkript wichtiger Gespräche zwischen BDP-Abgeordneten und dem PKK-Führer auf der Gefängnisinsel İmralı publiziert hatte, wo Öcalan inhaftiert ist.

Regierungsnahe Kreise verweisen in diesem Zusammenhang darauf, dass Erdoğan über den Geheimdienst MIT bereits öffentlich bekannt 2010 zugegeben habe, dass es zwecks Verhandlungen Kontakte mit der PKK gegeben hätte. Ohne die damaligen Gespräche wäre die Umsetzung des Friedensprozesses heute nicht möglich, betont man aufseiten Ankaras. Auch in Großbritannien und Spanien hätte man versucht, dem Terrorproblem durch Gespräche zu begegnen, so die Erklärung.

Ein persönliches Gespräch zwischen dem Regierungschef selbst und dem Terroristenführer wäre jedoch selbst unter dem Gesichtspunkt der Realpolitik eine pikante Angelegenheit.

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