Erdoğan redet wütend in ein Mikrofon und deutet mit dem Zeigefinger drohend nach vorne.
Erdoğan droht Deutschland für den Fall, dass drei angeblich nach Deutschland eingereiste türkische Staatsanwälte nicht an die Türkei ausgeliefert werden.

Gut einen Monat nach dem Selbstmordattentat auf deutsche Urlauber in Istanbul ist die türkische Hauptstadt Ankara von einem schweren Bombenanschlag erschüttert worden. Bei dem Anschlag auf einen Konvoi mit Bussen der Armee wurden am Mittwochabend mindestens 28 Menschen getötet.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan berief ein Sicherheitstreffen ein. Der Staatspräsident sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und kündigte an, der Kampf gegen den Terror werde noch entschlossener weitergeführt. „Die Türkei wird nicht zögern, von ihrem Recht auf Selbstverteidigung jederzeit, überall und unter allen Umständen Gebrauch zu machen“, hieß es in einer Mitteilung Erdoğans: „Die Tatsache, dass wir im Kampf gegen den Terror neue Opfer beklagen, verletzt unsere Herzen als Nation und strapaziert unsere Geduld. Unser Kampf gegen die Täter und die Mächte hinter diesen Tätern, die keinerlei Moral und Menschlichkeit haben, wird jeden Tag mit noch größerer Entschiedenheit fortgesetzt.“

„Unsere Gebetsrufe werden nie verstummen“

Wer glaube, mit Hilfe von Terrororganisationen die Türkei von ihrem Kurs abbringen könne, irre sich. „Jeder Märtyrer, jeder Verletzte ist ein Beweis dafür, dass dieses Land für immer unsere Heimat sein, unsere Fahne immer wehen, unsere Gebetsrufe nie verstummen, unser Land nie gespalten und unser Staat nicht zerstört werden wird.“

Die Regierung verhängte aus Gründen der „nationalen Sicherheit“ eine Nachrichtensperre über den Anschlag, die aber nicht offizielle Verlautbarungen betrifft.

Zu der Detonation kam es im Regierungsviertel Çankaya vor dem Hauptquartier der Luftwaffe in der Nähe des Parlaments. Auf Fernsehbildern waren ein großes Feuer und zahlreiche Krankenwagen zu sehen. Über Ankara stieg eine Rauchwolke auf.

30 Verletzte wieder aus dem Krankenhaus entlassen

Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmuş bezifferte die Zahl der Verletzten auf 61. 30 von ihnen hätten das Krankenhaus bereits wieder verlassen. Es handele sich um einen Angriff „auf die gesamte Nation“.

Ziel des Anschlags waren nach Angaben der Armee Fahrzeuge, die Angehörige der Streitkräfte transportierten. Auf Fotos vom Anschlagsort waren ausgebrannte Busse zu sehen. Zu der Detonation sei es gekommen, als die Fahrzeuge gegen 18.30 Uhr (Ortszeit/17.30 MEZ) an einer Ampel gehalten hätten, teilte das Militär mit. Es handele sich um einen „niederträchtigen und verräterischen Angriff“.

Das Militär bestätigte, dass unter den Toten Soldaten seien, machte jedoch keine Angaben zu deren Anzahl. Nach Angaben des Provinzgouverneurs detonierte vermutlich eine Autobombe.

Opposition verurteilt Anschlag: „Dieses Land verdient diesen Schmerz nicht“

Auch die Opposition meldete sich am Mittwochabend zu Wort. Die pro-kurdische Oppositionspartei HDP – der Erdoğan eine Nähe zur PKK vorwirft – verurteilte den Anschlag von Ankara am Mittwochabend. Die CHP sagte, dass das Land diesen Schmerz nicht verdiene. Die MHP erklärte, man erwarte, dass die Hintermänner zur Rechenschaft gezogen werden,

Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu sagte nach dem Anschlag seinen Besuch in Brüssel zu Gesprächen über die Flüchtlingskrise ab, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Davutoğlu wollte am Donnerstag in Brüssel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem griechischen Regierungschef Alexis Tsipras zusammenkommen.

Kanzlerin Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier reagierten entsetzt auf den Bombenanschlag. „Die Bundesregierung verurteilt diesen neuerlichen terroristischen Akt auf das Schärfste“, sagte Merkel nach einer Mitteilung des Bundespresseamtes.