Bei einer Wahlveranstaltung der pro-kurdischen Partei HDP in der südosttürkischen Kurden-Metropole Diyarbakır ist es zu zwei Explosionen gekommen. Die Nachrichtenagentur Anadolu meldete, zehn Menschen seien dabei am Freitag verletzt worden. Andere Berichte sprachen von über 45 Verletzten, viele davon schwer. Zuerst hieß es in Medienberichten, dass ein Trafo unmittelbar an der Wegstrecke der Kundgebung detoniert sei.

Offenbar ereignete sich wenige Minuten nach der ersten Explosion eine zweite. Auf Twitter kursierten am Nachmittag Bilder, die einen offenbar durch eine Detonation zerstörten Mülleimer zeigten. Der türkische Energieminister Taner Yıldız bestätigte am Abend, dass die erste Explosion nicht vom Trafo ausgegangen sei. Die kurdische Nachrichtenagentur ANF veröffentlichte Fotos von Anschlagsort, auf denen ein Ersthelfer kleine Metall-Kugeln in der Hand hält. Die Kugeln wurden dem ANF-Bericht zufolge von der Explosion durch die Luft geschleudert. Dies und erste Berichte aus den umliegenden Krankenhäusern, in welche die Verletzten eingeliefert wurden, deuten ANF zufolge darauf hin, dass die Explosionen von Bomben ausgelöst wurden.

Ein dpa-Reporter in Diyarbakır sagte, Zehntausende Menschen hätten an der Veranstaltung zwei Tage vor der Parlamentswahl teilgenommen. Nach der Explosion hätten HDP-Anhänger Steine auf Polizisten geworfen, so der Reporter. Die Polizei habe Wasserwerfer und Tränengas eingesetzt. HDP-Anhänger hätten Präsident Recep Tayyip Erdoğan nach der Explosion in Sprechchören als „Mörder“ bezeichnet.