Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), Aiman Mazyek (Foto), hat die islamischen Verbände zu mehr Einigkeit aufgerufen. Es sei „völlig legitim“, wenn einzelne Mitglieder des Koordinationsrats der Muslime (KRM) unterschiedliche Ansichten verträten, sagte er am Donnerstag in Köln. Doch sollten alle im gemeinsamen Interesse daran arbeiten, dass der Islam auf Bundesebene als Religionsgemeinschaft anerkannt werde.

Die Äußerungen Mazyeks stehen im Zusammenhang mit heftiger Kritik aus den Reihen der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion e.V. (DITIB). Diese wirft Mazyek laut „Süddeutsche“ öffentlich vor, sein Verhalten habe zu einem„Vertrauensbruch“ innerhalb des Koordinierungsrats geführt. Ein Grund dafür: Der Zentralrat der Muslime und säkular orientierte Türkische Gemeinden aus Berlin veranstalteten nach dem Anschlag auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ am 13. Januar eine Solidaritäts-Kundgebung vor dem Brandenburger Tor. Die Veranstaltung war offenbar nicht ausreichend mit der DITIB koordiniert worden.

Damals sagte der Bekir Alboga, Dialogbeauftragte der DITIB, an Mazyek gerichtet: „Wir standen als diejenigen da, deren Haltung zu Terror, jüdischen Opfern und Meinungsfreiheit zweifelhaft ist, dabei hatten wir uns genauso klar von den Taten distanziert wie der ZMD.“ Die DITIB warf Mazyek laut Medienberichten vor, er vermittle den Eindruck, die Verbände im KRM seien mit Ausnahme des Zentralrats „bei dem Thema Antisemitismus unkritisch oder unsensibel“.

Mazyek: „Der KRM ist nicht tot, sondern er lebt weiter“

Mazyek verwahrte sich in seiner jüngsten Äußerung gegen „persönliche Angriffe und Polemiken“ und die Unterstellung, er spiele sich als Sprecher aller Verbände auf. Zugleich betonte er, dass sein Verband „felsenfest“ am KRM festhalte, weil er eine wichtige Interessenvertretung sei. Der Dachverband werde derzeit reformiert. Arbeitsgruppen sollten für bestimmte Themen zuständig sein. Mit Ergebnissen rechne er Ende April, so der ZMD-Chef. „Der KRM ist nicht tot, sondern er lebt weiter.“

Es sei nachvollziehbar, dass die DITIB als größter Verband die Notwendigkeit nicht so sehe, dass sich der Islam institutionalisieren müsse. Dies sei in den letzten Jahren deutlich geworden und habe zu „Abnutzungserscheinungen und Missverständnissen“ geführt, die auch nach außen gedrungen seien. Stattdessen müssten die Muslime „die ethnisch fragmentierte Landschaft der islamischen Religionsgemeinschaft“ aufheben. Dazu sollten sie sich öffnen und religionsverfassungsrechtliche Vorgaben umsetzen.

Auch im ZMD gebe es vom Ausland finanzierte Imame, räumte Mazyek ein. Aber es sei Konsens in der islamischen Gemeinschaft, dass Deutsch sprechende Imame mit Kenntnissen über die Mentalität und Kultur des Landes viel näher an den Menschen seien.

Dem ZMD gehören laut Mazyek 33 Mitglieder an, die rund 300 Moscheegemeinden vertreten. Inzwischen gebe es Landesverbände in Hessen und Nordrhein-Westfalen. In Berlin stehe die Gründung am Freitag bevor, weitere Gespräche führe man in Bayern, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz. Dieser Prozess sei notwendig, da Absprachen und Verträge zwischen Staat und Religionen auf Landesebene stattfänden. Dem 2007 gegründeten KRM gehören die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib), der Islamrat, der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) und als kleinstes Mitglied der ZMD an. (kna/dtj)