Neun Jahre nach Anschlag: Beratungsstelle gegen Rechts eröffnet

Gut neun Jahre sind seit dem Nagelbombenanschlag in der Kölner Keupstraße vergangen. Am Montag eröffnete die Stadt Köln gemeinsam mit dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) dort ein neues Beratungszentrum für Opfer Rechtsextremismus und Rassismus. Getragen wird diese vom Diakonischen Werk Köln.

Opfer rechter Gewalt können sich zukünftig im Zentrum in der Keupstraße beraten lassen und werden bei sozialen, rechtlichen oder psychischen Problemen unterstützt. „Wir sind enorm spät dran, vielleicht zu spät“, sagte LVR-Direktorin Ulrike Lubek. Das kostenlose Angebot solle „verlorenes Vertrauen wiederaufbauen“, erklärte sie.

Auch der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) räumte bei der Vorstellung des Beratungsangebots in Kölner Rathaus ein, „dass die Opfer von den Ermittlern zunächst in die Position des Beschuldigten gebracht wurden“ und dies zu einer zusätzlichen Verletzung der Betroffenen geführt habe. Die Opfer des Bombenanschlags auf der Keupstraße, der dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) zugerechnet wird, waren 2004 selbst in den Fokus der Ermittlungen geraten. Ein rechtsextremistischer Hintergrund wurde damals ausgeschlossen – wie mittlerweile feststehen dürfte, vorschnell. Bei dem Terroranschlag waren 22 mehrheitlich türkischstämmige Menschen zum Teil schwer verletzt worden.

Bis heute kämpfen viele Opfer mit den Folgen des Terroranschlags. Der auch in dieser Woche fortgesetzte Münchner NSU-Prozess hat alte Wunde aufgerissen. „Das Beratungszentrum kommt spät, aber besser als nie“, sagte eine Anwohnerin, die ihren Namen nicht nennen möchte. Sie leide bis heute an den Folgen des Attentats und habe seitdem keinerlei Hilfe bekommen. „Durch das neue Beratungszentrum ist es möglich, bisher im OEG (Opferentschädigungsgesetz, Anm. d. Redaktion) nicht bekannte und damals nicht erfasste Opfer zu erreichen“, sagte Jörg Detjen, Sprecher der Linksfraktion im Kölner Stadtrat.

Ein Problem dürfte dabei allerdings die Sprachbarriere sein. Denn das Beratungszentrum wirbt zwar mit Flyern auf Kurdisch und Türkisch, die Mitarbeiter vor Ort sind beider Sprachen jedoch nicht mächtig. Ob sich so ein vertrauensvoller Zugang zur türkischstämmigen Community herstellen lässt, bleibt fraglich.