Papst Franziskus traf am Samstag in Istanbul ein. Er besuchte die Sultan-Ahmet-Moschee, wo er gemeinsam mit dem Großmufti betete.
Papst Franziskus ist in Istanbul gelandet und hat zwei der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Metropole besucht: Die Hagia Sophia und die blaue Moschee. Als erster Papst der Kirchengeschichte betete Franziskus dann mit gefalteten Händen in einer Moschee.

Mit der Hagia Sophia und der blauen Moschee hat Papst Franziskus unter strengen Sicherheitsvorkehrungen zwei der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Istanbuls besucht. Franziskus ist am zweiten Tag seiner Reise in die Türkei am Samstagmorgen in Istanbul gelandet, wo ihn der orthodoxe Patriarch Bartholomäus in Empfang nahm. Anschließend fuhr der 77-Jährige weiter zur Sultan-Ahmet-Moschee, die auch als Blaue Moschee bekannt ist. Nach einem Rundgang durch die Sultan-Ahmet-Moschee verharrte er neben Großmufti Rahmi Yaran schweigend, mit gesenktem Kopf und geschlossenen Augen rund zwei Minuten vor der Gebetsnische. Als erster Papst der Kirchengeschichte betete Franziskus mit gefalteten Händen in einer Moschee.

An gleicher Stelle hatte auch Papst Benedikt XVI. bei seiner Türkei-Reise 2006 innegehalten, hatte seine Hände dabei jedoch nicht gefaltet. Der Vatikan sprach damals von einem Moment der Meditation. Vatikansprecher Federico Lombardi hatte vor zwei Wochen erklärt, falls der Papst in der Moschee bete, handele es sich nicht um ein formales und öffentliches Gebet, sondern eher um einen Moment der persönlichen Sammlung. „Es ist klar, dass man bei einem Christen in einer Moschee nicht von einem formalen Gebet sprechen kann“, so Lombardi.

Vor Betreten des Gebäudes, der sogenannten Blauen Moschee, zog der Papst nach islamischer Sitte die Schuhe aus und ging auf Socken durch das Gotteshaus. Als Gastgeschenk überreichte ihm der Großmufti eine kunstvoll bemalte Kachel. Franziskus bedankte sich bei ihm und wies ihn in einem kurzen Gespräch auf die Anbetung Gottes hin, die eine wichtige gemeinsame Haltung von Muslimen und Christen sei. Für Franziskus war es seit Beginn seines Pontifikats im März 2013 der erste Besuch in einer Moschee.

Anlass des Türkei-Besuches: Gemeinsame Feier des Andreasfestes

Nach seinem kurzen Besuch in der blauen Moschee ging es für Papst Franziskus weiter zum Museum Hagia Sophia (Ayasofya), das früher eine Kirche und später eine Moschee war. Franziskus ließ sich den Bau vom Direktor des Museums, Hayrullah Cengiz, erklären.

Papst Franziskus steht zusammen mit seinen Begleitern und dem Mufti der Moschee unter dem Kronleuchter der Sultan-Ahmet-Moschee in Istanbul.
Vor Betreten des Gebäudes, der sogenannten Blauen Moschee, zog der Papst nach islamischer Sitte die Schuhe aus und ging auf Socken durch das Gotteshaus. Als Gastgeschenk überreichte ihm der Großmufti eine kunstvoll bemalte Kachel.

Die Sicherheitsvorkehrungen in Istanbul waren hoch, nach Angaben türkischer Medien waren rund 7000 Polizisten im Einsatz. Die Gebiete rund um die beiden Sehenswürdigkeiten wurden teilweise gesperrt, fliegende Händler verbannt. Eigentlicher Anlass des dreitägigen Türkei-Besuches ist am Sonntag die gemeinsame Feier des Andreasfestes, des Patronatsfestes des griechisch-orthodoxen Patriarchates. Der Patriarch von Konstantinopel ist das Ehrenoberhaupt von rund 300 Millionen orthodoxen Christen weltweit. Für Sonntag ist eine gemeinsame Erklärung zur Ökumene vorgesehen.

Am Samstag Nachmittag ist eine Messe und ein Treffen mit Mitgliedern katholischer Gemeinden geplant. Das kurze Treffen des Papstes und dem orthodoxen Patriarchen am Flughafen war das erste Treffen der beiden Männer während der sechsten Auslandsreise des Papstes. Am Abend sollen Franziskus und Bartholomäus zu einem ökumenischen Gebet und einem privaten Treffen erneut zusammenkommen.

Treffen mit Erdoğan: Papst war erstes ausländisches Staatsoberhaupt im Ak Saray

Am ersten Tag seiner sechsten Auslandsreise hatte der 77-Jährige in Ankara unter anderem Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan getroffen und sich mit klaren Worten für die Religionsfreiheit ausgesprochen – ungeachtet der vorherigen Brandrede Erdoğans gegen den Westen. Nachdem der Pontifex als erstes ausländisches Staatsoberhaupt im umstrittenen neuen Präsidentenpalast Erdoğans, dem Ak Saray, empfangen worden war, nutzte er das Treffen, rief er zu gemeinsamen Anstrengungen im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat auf. Ebenso nutzte er die Gelegenheit, um an das Schicksal der Christen in den Krisenregionen und die Lage der mehr als eine Million Flüchtlinge zu erinnern.

Die fast 1500 Jahre alte Hagia Sophia war fast ein Jahrtausend lang das größte Gotteshaus der Christenheit, dann wurde sie zur Moschee. Die vom römischen Kaiser Konstantin im Jahr 360 errichtete „Kirche der Göttlichen Weisheit“ war zu byzantinischer Zeit die Hauptkirche des Reiches und Krönungskirche der Kaiser. Nach einem Brand wurde sie unter Kaiser Justinian 537 neu errichtet. Danach galt sie auf Grund ihrer Ausstattung und ihrer Mosaike als die prächtigste und größte Kirche des christlichen Ostens.

Die prächtige Hagia-Sophia prägt das Bild Istanbuls. Das Bild zeigt die Metropole am Bosporus bei Sonnenaufgang, die Hagia-Sophia erstrahlt in gelb-orange.
Die fast 1500 Jahre alte Hagia Sophia war fast ein Jahrtausend lang das größte Gotteshaus der Christenheit, dann wurde sie zur Moschee.

 

Nach dem Fall von Konstantinopel 1453 wandelte Sultan Mehmet II. die damalige Hauptkirche des orthodoxen Christentums in eine Moschee um. Im Innenraum ersetzten muslimische Insignien die christlichen; Ikonen wurden entfernt und Mosaike mit Putz bedeckt. Letztere wurden erst im 20. Jahrhundert wieder freigelegt. Nach dem Ende des Osmanischen Reiches und der Ausrufung der Türkischen Republik wandelte der Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk die Moschee 1934 in ein Museum um. In letzter Zeit werden in der Türkei immer wieder Rufe nach einer Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee laut.

Die blaue Moschee wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts von Sultan Ahmet gestiftet. Sie gilt als eine der wichtigsten Moscheen Istanbuls und hat sechs statt der üblichen vier Minarette. Franziskus ist nach seinen Vorgängern Johannes Paul II. und Benedikt XVI. der dritte Papst der Kirchengeschichte, der eine Moschee besucht. (kna/dpa/dtj)