Am Rande der ersten Europaspiele, einer groß angelegten Sportveranstaltung in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku, haben der Präsident der Russischen Föderation, Wladimir Putin, und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan im Anschluss an ihr vertrauliches Zusammentreffen erklärt, die Planung des großen Pipeline-Projekts Turkish Stream fortzusetzen.

Putin werde den Chef des staatlichen Energieversorgungsunternehmens Gazprom, Alexej Miller, über die Ergebnisse seines Treffens mit Erdoğan in Baku informieren, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Samstag. Anschließend müsse Miller Turkish Stream auf Expertenebene weiter vorantreiben. Details nannte Peskow nicht.

Das Projekt Turkish Stream war im Dezember 2014 anlässlich des Staatsbesuchs des russischen Präsidenten bei seinem türkischen Amtskollegen im Ak Saray zu Ankara vereinbart worden, nachdem die EU Moskau durch Obstruktionspolitik dazu veranlasst hatte, die ursprünglich geplante South Stream Pipeline für die Energieversorgung von EU-Staaten aus der Russischen Föderation auf Eis zu legen.

Mit Turkish Stream will Russland ab Ende 2016 jährlich bis zu 63 Milliarden Kubikmeter Gas durch das Schwarze Meer in die Türkei leiten. Von dort plant Russland, große Mengen über Griechenland nach Südosteuropa zu liefern, um damit die Ukraine als Transitland in die EU zu umgehen. Eine Zustimmung Griechenlands steht noch aus.

Das Projekt würde nicht nur Russland eine Möglichkeit bieten, sein Erdgas durch Länder transportieren zu können, die keine ähnlich feindselige Politik gegenüber Moskau verfolgen wie die Ukraine seit dem Umsturz im Februar 2014. Turkish Stream würde vor allem die Türkei und Griechenland – bislang in der Energieversorgung stark von Drittstaaten abhängig – als Transitländer für Energielieferungen massiv aufwerten. (dpa/dtj)