Putschversuch in der Türkei. Der missglückte Putsch vom 16. Juli 2016 wirft auch knapp 3 Jahre nach Ereignis ungeklärte Fragen auf. Was wusste die Regierung im Vorfeld?

Nachdem zuletzt der türkische Exiljournalist Ahmet Dönmez ein Beleg veröffentlichte, aus dem hervorginge, die AKP habe bereits im Vorfeld von dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 gewusst, häufen sich die Reaktionen zu der Veröffentlichung. Eine dieser Stimmen ist Andrew Duff, ein ehemaliger Abgeordneter im Europäischen Parlament. Duff antwortete auf eine Nachfrage des Portals www.euobserver.com, „Jetzt verstehe ich, wie Erdogan den sogenannten Putschversuch so schnell ausnutzen konnte“.

Diese Erkenntnis ziehe Duff aus dem offiziellen und vor türkischen Gerichten als Beweismittel anerkannten Protokoll über die Putschnacht, dass Ahmet Dönmez publik gemacht hat. Bei diesem Dokument handelt es sich um ein Protokoll des Staatsanwalts Serdar Coskun. Darin berichtet Coskun von den Ereignissen in der Putschnacht. Sein Protokoll wurde auf 01 Uhr des 16. Juli 2016 datiert. Da war der Putschversuch gerade Mal seit drei Stunden losgetreten.

Hergang schon vorher gewusst?

In dem Papier besonders brisant: Der Staatsanwalt listet zu der Zeit noch nicht geschehene sowie gar nicht eingetretene Handlungen der Putschnacht auf. Genau dieses Protokoll wurde mehrfach vor türkischen Gerichten als wichtigstes Beweismittel anerkannt. Die Authentizität des Protokolls ist derweil durch den Staatsanwalt selbst bestätigt worden. Es handele sich um einen Fehler. Er habe ein falsches Datum unter das amtliche Papier gesetzt. Ein einfaches Versehen also? Der Europaexperte Andrew Duff sagt, für ihn fügen sich die Puzzleteile nun zusammen. „Das türkische Militär hat doch sonst keinen Putsch so sehr in den Sand gesetzt. Wieso sollte sowas diesmal passieren?“. Jetzt wissen wir, wie die AKP es geschafft hat den Putschversuch so schnell auszunutzen, fügt der Politiker hinzu.