Die nordrhein-westfälische Landesregierung sieht offenbar Anzeichen für eine Entspannung ihrer Konflikte mit dem deutsch-türkischen Moschee-Verband Ditib. „Wir befinden uns in einem intensiven Gesprächsdialog, wie wir mit Ditib einen Weg von Ankara weg hin zu einer klaren Orientierung nach Deutschland hinbekommen“, sagte Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) am Mittwoch in Düsseldorf. Dabei habe die Landesregierung der Organisation ihre Unterstützung zugesagt. In der jüngeren Vergangenheit habe es „rustikale Auseinandersetzungen“ mit der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib) gegeben.

Bereits die rot-grüne Vorgängerregierung hatte dem strukturell und finanziell vom türkischen Staat unterstützten Moscheeverband wiederholt mit der Aufkündigung der Kooperation gedroht. Zuvor war bekannt geworden war, dass von der Ditib eingesetzte Imame in deutschen Moscheen türkische Regimegegner bespitzelt hatten.

Das Innenministerium hatte die Zusammenarbeit mit der Ditib in der Salafismus-Prävention beendet, weil der Verband einen Kinder-Comic mit der Verherrlichung des „Märtyrertodes“ verbreitet hatte. In der Gefängnisseelsorge wurde vom NRW-Justizministerium für alle Imame eine Sicherheitsüberprüfung durch den Verfassungsschutz angeordnet. Zudem wurde die Kooperation beim muslimischen Bekenntnisunterricht an nordrhein-westfälischen Schulen infrage gestellt.

Die Ditib sei „kein monolithischer Block“, betonte Stamp. Dort gebe es „ganz unterschiedliche Leute mit ganz unterschiedlichen Einstellungen“. Sein Eindruck sei, dass die Ditib eine ganze Reihe sehr reformorientierter Funktionäre habe, die einen in Deutschland beheimateten Islam verkörpern wollten und eine Loslösung von Ankara anstrebten. „Dass dies gerade bei der derzeitigen politischen Konstellation in der Türkei nicht von heute auf morgen geht, ist klar“, sagte Stamp.

Ex-Jugendvorsitzender kritisiert die Chefetage der Ditib

In einem emotionalen Facebook Post lies Taner Beklen, der ehemalige Vorsitzende der Ditib Bundesjugend, seinen Frust über die Chefs der größten muslimischen Religionsbehörde los.

„Die ewiggestrigen Herren meinen von ihren Kölner Büroräumen aus, zu wissen, was gut und schlecht für eine Gemeinschaft ist. Betonen bei jeder Gelegenheit die Wichtigkeit der Jugend und ihrer Förderung – um dann aber Dynamik und Mitspracherecht der Jugend zu unterdrücken. Wenn es nach ihnen geht soll sich nichts ändern, der Status-Quo beibehalten werden. Es geht in erster Linie darum, ihre Amtszeit, zu der sie verdonnert wurden, so geräuschlos wie möglich abzusitzen, kein Aufsehen zu erregen und bei ein paar Großveranstaltungen Grußworte zu halten und sich im Applaus der Masse zu berauschen.

Menschen die nicht aus diesem Land kommen und ihre Zukunft nicht hier sehen, nicht länger als ihre 4-5 eigenen Jahre im Blickwinkel haben, können die Geschicke einer Gemeinschaft nicht lenken und vor allem den Anforderungen der Menschen nicht gerecht werden. Bürokraten und leidenschaftliche Uni-Professoren die lieber in den Bibliotheken sitzen würden, können den Bedürfnissen einer dynamischen Gemeinschaft nicht gerecht werden. Sie können die Fragen unserer Zeit nicht beantworten, den Geist der Stunde nicht erkennen und vor allem Sorge und Nöte in diesem Land sozialisierter Menschen nicht nachvollziehen. Sie können null Empathie aufbauen. Es fehlen die Ideale, der Mut und die Leidenschaft etwas verändern zu wollen. Den Finger auf die offenen Wunden zu legen.

Wenn sie dann aber Menschen mit Idealen und Ideen verprellen, berauben sie die Gemeinschaft ihrer Zukunft. Sie fahren den Wagen sehendes Auges gegen die Wand. Sie haben nichts zu befürchten, denn kurz vor dem Aufprall werden sie aussteigen. Es ist mehr denn je nötig, dass die Herren abtreten und den Weg freimachen. Nicht für neue Namen die für denselben alten Kurs stehen, sondern für einen Neuanfang. Für Menschen, die aus der Mitte der Gemeinschaft kommen und die den Herausforderungen unserer Zeit gewachsen sind.“

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KNA/dtj