Auf die Empörung folgt die Vergeltung: Nach der Armenier-Resolution, die der Bundestag am Donnerstag verabschiedet hat, war die Aufregung in der Türkei groß. Nun hat der AKP-Angeordnete Metin Külünk eine Retourkutsche angekündigt. Er habe einen Gesetzesentwurf ausgearbeitet, durch den der Völkermord an den Herero und Nama in der Türkei als solcher anerkannt werden soll. „Mit dem Gesetzesentwurf, den ich in die TBMM (das türkische Parlament, Anm. d. Red.) einbringen werde, werde ich veranlassen, dass der Völkermord an den Herero und Nama auch als Völkermord anerkannt wird“, sagte der 55-Jährige der türkischen Zeitung Hürriyet.

„Wenn Historiker lernen wollen, wie ein Völkermord begangen wird, dann müssen sie nach Norwegen, Deutschland und Großbritannien schauen. Dann müssen sie schauen, was in den 1990er Jahren in Bosnien-Herzegowina geschehen ist. Wenn sie sich das anschauen, werden sie sehen, dass die Kultur der Völkermorde in Europa geboren wurde, gewachsen ist und in die Tat umgesetzt wurde. Denn im Mittelpunkt der europäischen Kultur steht nicht die Menschlichkeit, sondern der Versuch, alle anderen an sich anzupassen“, giftete Külünk in Richtung Deutschland und Europa.

Külünk ist Geschäftsmann und pflegt enge Beziehungen nach Deutschland, speziell zur AKP-Lobbyorganisation UETD. Er ist stellvertretender Beauftragter für Außenbeziehungen der AKP und Autor mehrerer Bücher über Wirtschaft und Handel.

Der Völkermord an den Herero und Nama ereignete sich zwischen 1904 und 1908 in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika und wird von der Wissenschaft als der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts angesehen. Deutsche Kolonialtruppen unter dem Oberbefehl des Infanteriegenerals Lothar von Trotha hatten mehrere Aufstände der Herero und Nama niedergeschlagen und beide Völker daraufhin fast vollständig ausgerottet. 60.000 – 85.000 Herero und um die 10.000 Nama überlebten die Ereignisse nicht. Die Bundesregierung hat sich lange dagegen gewehrt, die Ereignisse als Völkermord einzustufen und eine Resolution dazu abgelehnt. Erst seit dem 10. Juli 2015 spricht das Auswärtige Amt offiziell von einem Völkermord, eine offizielle Entschuldigung und Reparationszahlungen stehen jedoch noch aus.