In Deutschland wurde kürzlich offiziell die „Stiftung Dialog und Bildung“ gegründet. Diese soll künftig Ansprechpartnerin für alle Fragen sein, die mit den Aktivitäten der Hizmet-Bewegung im Land zu tun haben und auf diese Weise aus erster Hand Informationen über die Arbeit von Hizmet ermöglichen.

In Anbetracht der jüngsten Spekulationen über eine angeblich ins Auge gefasste Beobachtung der Hizmet-Bewegung durch den baden-württembergischen Verfassungsschutz trat die Stiftung nun erstmals mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit.

Eindeutiges Bekenntnis zum Grundgesetz

Darin erläutert der Vorsitzende der Stiftung, Ercan Karakoyun, dass die Arbeit der Bewegung durch Dialog und Bildung einen Beitrag dazu leisten möchte, dass die vielfältigen Chancen, die Integration mit sich bringt, erkannt und genutzt werden. Einwanderer, aber auch alteingesessene Deutsche sollen durch diese zu einer stärkeren Teilhabe am politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Leben in Deutschland ermutigt werden. Das Engagement der Hizmet-Bewegung fuße entgegen der Darstellung in einigen Medien auf Werten, die mit der demokratischen und rechtsstaatlichen Ordnung der Bundesrepublik Deutschland im Einklang stehen.

Dem Engagement des Hizmet-Netzwerks liegen demokratische Prinzipien wie Meinungs- und Religionsfreiheit, Toleranz, Gewaltfreiheit und Gleichberechtigung von Mann und Frau zugrunde, betont Karakoyun. „Wir bekennen uns eindeutig und unmissverständlich zum politischen System der Bundesrepublik und seinen demokratischen Institutionen. Das Engagement von Hizmet verkörpert gegenseitiges Verständnis, Respekt und Toleranz sowie ein friedliches Miteinander.“

Dies entspreche auch den Ideen des Predigers Fethullah Gülen, der viele in Hizmet aktiven Menschen zu ihrem Engagement inspiriert. Für Gülen sei der Islam zweifellos mit der Demokratie vereinbar.

Die Menschen in der Hizmet-Bewegung möchten eine gemeinsame Kultur der Anerkennung und Wertschätzung in unserer pluralistischen Gesellschaft mitgestalten und zu einem friedlichen Miteinander beitragen. Daher engagiere man sich daher für den Dialog zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen, Religionen und ethnischer Hintergründe. Bildung sei nach Ansicht der Hizmet-Bewegung die Voraussetzung für Teilhabe an der Gesellschaft und für einen aufgeklärten, aktiven Dialog, unterstreicht Karakoyun weiter. Darum engagieren sich viele Hizmet nahe stehende Menschen im Bereich Bildung durch vielfältige Aktivitäten – auf freiwilliger Basis.

Gülens deutliche Worte zur Religionsfreiheit

Die Hizmet-Bewegung, so heißt es weiter in der Erklärung, die hier komplett abgerufen werden kann, bekenne sich unmissverständlich zum deutschen Grundgesetz, zu Demokratie, Rechtsstaatlichkeit sowie Meinungsfreiheit. Dies schließe die Religionsfreiheit mit ein, die eben auch bedeutet, dass man keiner Religion angehört.

In diesem Zusammenhang verweist man auch auf die Aussage Fethullah Gülens im Interview mit der FAZ vom Dezember 2012, in dem dieser sich zum Thema „Apostasie“, also Abwendung vom Glauben, äußerte: „Die Glaubensfreiheit ist in der muslimischen Religion ein Prinzip. Ein Koranvers besagt, dass es in den Fragen der Religion keinen Zwang geben dürfe, dass die Religion ein göttliches Angebot sei, dass die Menschen dieses Angebot nur mit ihrem freien Willen akzeptieren oder ablehnen sollten.”

Einsatz für Bildung und friedliches Miteinander

Im Bereich Bildung leiste Hizmet durch ca. 20 Schulen und 150 Nachhilfezentren einen anerkannten Beitrag für Bildung und Integration in Deutschland. Auch dort würden die Werte Hizmets, nämlich Meinungs- und Religionsfreiheit, Toleranz, Gewaltfreiheit und Gleichberechtigung von Mann und Frau gelebt und gelehrt. Für alle in Hizmet Aktiven seien solche Werte notwendige Bedingungen eines friedlichen Miteinanders in unserer Gesellschaft. Die Bildungsaktivitäten von Hizmet seien daher eindeutig auf die Vermittlung dieser Werte ausgerichtet und entsprächen voll und ganz staatlichen Vorgaben, heißt es in dem Statement weiter.

Am Dienstag nahm im Übrigen auch die baden-württembergische Landesregierung zu den Spekulationen rund um eine angeblich bevorstehende Beobachtung der Hizmet durch den Verfassungsschutz Stellung. Und diese habe nach den Worten von Finanzminister Nils Schmid (SPD) keine neue Einschätzung der Gülen-Bewegung im Südwesten. „Der Landesregierung liegen keine Erkenntnisse zu verfassungsfeindlichen Bestrebungen vor“, sagte der Minister am Dienstag in Stuttgart. Es gebe auch keine Beobachtung durch den Landesverfassungsschutz, allerdings prüfe die Behörde eine solche.

Der „Spiegel“ und „Report Mainz“ hatten berichtet, der Verfassungsschutz bezweifle in einem internen Papier, dass die Gemeinde des türkischen islamischen Predigers Fethullah Gülen auf der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehe. Auch die CDU-Fraktion hatte Aufklärung verlangt.

Solange ein Verein sich im Rahmen der verfassungsmäßigen Grundordnung organisiere, sei das nicht zu rügen, sagte Schmid nach einem Bericht des Onlinemagazins des Focus.