Türkische Wirtschaft: Die türkische Notenbank hat den Leitzins vergangene Woche überraschend gesenkt. Der Schritt sorgt für heftige Debatten in der Türkei.
ARCHIV

Die verschärften politischen Spannungen zwischen Deutschland und der Türkei haben am Donnerstag die türkische Lira unter Druck gesetzt. Die Währung verlor sowohl im Verhältnis zum US-Dollar als auch zum Euro bis zum frühen Nachmittag mehr als ein halbes Prozent an Wert. Zuvor hatte Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) eine Neuausrichtung der Türkei-Politik angekündigt. Jüngster Hintergrund ist die Verhaftung des deutschen Menschenrechtlers Peter Steudtner.

Die Bundesregierung stellt laut Gabriel die Absicherung von Geschäften und Exporten über Hermes-Bürgschaften sowie von Investitionskrediten auf den Prüfstand, ebenso die Wirtschaftshilfe. Zudem wurden die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes überarbeitet. Privat oder geschäftlich Reisenden in der Türkei wird «zu erhöhter Vorsicht» geraten.

Währungstabelle EURO in Türkische Lira, Stand 20. Juli 2017 

Urlauber in der Türkei, Glück im Unglück

Für die türkische Wirtschaft ein erneuter Seitenhieb, aber für Urlauber aus Europa ein Glücksfall. Für einen Euro bekommt man in der Türkei aktuell vier Lira. Besonders beliebt ist der Textileinkauf in der Türkei, da Textilprodukte eines der wenigen Export-Produkte der Türkei sind. Selbst große europäische Unternehmen wie Zara und H&M produzieren in der Türkei. So sind die Preise für Bekleidung in der Türkei generell erschwinglich, aber für europäische Urlauber stellt die Türkei gegenwärtig quasi einen dauerhaften Outlet-Store dar.

Auch Investitionen in türkische Immobilien sind unter diesen wirtschaftlichen Konditionen und der schwachen Lage der türkischen Lira beliebt, doch die instabile Situation der türkischen Innenpolitik und die massiven Krisen in der Außenpolitik lassen Zweifel aufkommen. Lohnt sich eine Investition in der Türkei? Wie hoch ist die Terrorgefahr? Diese und weitere Fragen plagen im Moment die Immobilienmakler.

dpa/dtj