Die Türkei erklärte am 16. Mai, sie habe einen syrischen Helikopter vom Himmel geholt, der den türkischen Luftraum verletzt habe. Das staatliche syrische Fernsehen sprach von einer Überwachungsdrohne.

An jenem Tag war eine türkische F-16 von der Luftwaffenbasis in İncirlik in der südtürkischen Provinz Adana aufgestiegen und schoss das syrische Fluggerät mittels zweier Sidewinder Luft-Luft-Raketen ab, so stellten Militäroffizielle den Vorfall gegenüber Hürriyet dar.

Es war nicht sofort klar, welche Art von Flugkörper abgeschossen wurde. Einer Quelle aus den türkischen Streitkräften zufolge wurde die Gegend danach abgesucht, ob ein Flugzeug oder Helikopter ins Visier der F-16 geraten war.

Türkischen Anwohnern zufolge habe ein syrisches Militärflugzeug zwei Mal in der Gegend um Dursunlu-Emek in der südosttürkischen Grenzregion Hatay die Grenze überschritten. Der Flugkörper sei in drei Teile zerbrochen und auf der syrischen Seite der Grenze gelandet.

Reuters zufolge hätten syrische Staatsmedien berichtet, dass eine ferngesteuerte Überwachungsdrohne abgeschossen worden wäre. Am Abend erklärte der türkische Verteidigungsminister İsmet Yılmaz, ein syrischer Helikopter sei kurz nach 14 Uhr türkischer Zeit in türkischen Luftraum eingedrungen und über einen Zeitraum von fünf Minuten sieben Meilen weit über türkischem Territorium geflogen, ehe er abgeschossen worden wäre.

Auch Premierminister Ahmet Davutoğlu erklärte später, bei dem Luftfahrzeug habe es sich um einen Helikopter gehandelt. „Es war wichtig für die Türkei, Entschlossenheit zu zeigen“, so der Premierminister. Die türkischen Streitkräfte hätten dabei exakt gemäß ihren Einsatzrichtlinien gehandelt. „Ich hoffe, die Botschaft ist angekommen und niemand wird es jemals wagen, unsere Grenzen zu verletzen.“

Türkische Streitkräfte machen keine Aussage über Art des Fluggeräts

Die türkischen Streitkräfte selbst sprachen in einer Erklärung lediglich von einem abgeschossenen Flugkörper, ohne dessen Typ zu spezifizieren, dessen Teile jedoch auf die syrische Seite der Grenze gefallen wären.

Der Zwischenfall vom 16. Mai war nicht der einzige Zusammenstoß zwischen den Luftwaffen beider Länder. Am 22. Juni 2012 stürzte ein türkisches F-4 Phantom Kampfflugzeug ins Mittelmeer, nachdem es von syrischer Seite aus beschossen worden war.

Am 16. September 2013 schoss die türkische Luftwaffe einen syrischen Helikopter ab, nachdem dieser wiederholt türkischen Luftraum verletzt hatte. Am 23. März, kurz vor den Kommunalwahlen, wurde ebenfalls ein syrischer Jet von zwei türkischen Kampfjets vom Himmel geholt.

CHP verdächtigt Regierung, vor den Wahlen Militäroperation zu planen

Der Generalsekretär der oppositionellen Cumhuriyet Halk Partisi (Republikanische Volkspartei; CHP), Gürsel Tekin, behauptete bereits Anfang des Monats, die Regierung würde im Vorfeld der Parlamentswahlen vom 7. Juni eine Militäroperation in Syrien planen. Die Regierung wies diese Äußerung vehement zurück.

Das NATO-Mitglied Türkei teilt eine 900 Kilometer lange Grenze mit Syrien und ist seit Beginn des Aufstandes gegen die Regierung in Damaskus unter Präsident Bashar al-Assad mit dieser verfeindet. Assad warf der Türkei vor, diese wäre ein Schlüsselfaktor bei der Unterstützung djihadistischer Rebellen in Syrien, unter anderem auch im Zusammenhang mit der jüngst erfolgten Einnahme der nordwestsyrischen Stadt Idlib.

Die Türkei bestreitet jeden Vorwurf, man würde Waffen an die Rebellen liefern, die versuchen, Präsident Assad zu stürzen.