Ein Theologe in der Türkei hat erklärt, der Tod von 301 Bergleuten bei dem Grubenunglück im westtürkischen Soma vor einem Jahr sei Wille Gottes gewesen. Der Tod der Kumpel habe sogar noch etwas „Erfreuliches“, weil sie zu „Märtyrern“ geworden seien, sagte der Dekan der Theologischen Fakultät der Universität Manisa, Ahmet Güç. Die Äußerungen (zum Video) zum Jahrestag des Grubenunglücks lösten Kritik aus.

In der Kohlegrube von Soma war am 13. Mai 2014 unter Tage ein Feuer ausgebrochen und hatte hunderten Arbeitern den Weg zum Ausgang versperrt. Beim schwersten Bergwerksunglück in der Geschichte der Türkei starben die meisten Opfer an Erstickung. Nach Ansicht von Bergbauexperten hätten die im modernen Bergbau üblichen unterirdischen Schutzräume in der Grube viele Leben retten können.

„Sie hätten auch bei einer Mafia-Auseinandersetzung sterben können“

Der Theologe Güç sagte, immerhin seien die Bergleute zu Tode gekommen, während sie ihrem ehrlichen Broterwerb nachgegangen seien. „Sie hätten auch beim Drogenhandel, bei einem Gefecht oder bei einer Mafia-Auseinandersetzung sterben können.“ So aber seien sie zu „Märtyrern“ geworden. Nach islamischem Glauben kommen Märtyrer nach dem Tod direkt ins Paradies.

Güçs Äußerungen wurden als „schockierend“ bezeichnet. Auf Twitter kritisierten viele Nutzer, Güç ignoriere völlig, dass die Arbeiter starben, weil Sicherheitsvorkehrungen in der Grube missachtet worden seien. Jeder Tod sei Gottes Wille und der Mensch wisse nicht, wann und wo sein Leben ende, doch müsse er alles in seiner Macht Stehende tun und sich erst dann auf Gott verlassen, hieß es in mehreren Tweets. Das Leben sei ein hochwertiges Gut, das Gott dem Menschen geschenkt habe. In Soma sei dieses leichtfertig aufs Spiel gesetzt worden.