Demonstranten in der Türkei solidarisieren mit gefangenen Journalisten.

Eine auffallend hohe Wahlbeteiligung hat die heutigen 25. türkischen Parlamentswahlen zu einem sehr repräsentativen Urnengang gemacht, der zeigte, dass die türkische Bevölkerung sehr aktiv am politischen Leben teilnimmt und ein hohes Maß an Interesse zeigt.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat es, nachdem er in Istanbul seine Stimme abgegeben hatte, als „wichtiges Zeichen einer kraftvollen Demokratie“ bezeichnet, dass sich eine hohe Beteiligung abgezeichnet hat. Sie liegt ersten Erkenntnissen zufolge bei fast 89 Prozent.

Premier Davutoğlu: „Unsere Aufgabe ist es, Entscheidungen zu akzeptieren“

Premierminister Ahmet Davutoğlu hat am Sonntagmorgen in seiner Heimatprovinz Konya, seiner Heimatprovinz gewählt.

Er äußerte sich im Vorfeld wie folgt: „Mögen die Wahlen gut ausgehen. Erstmals habe ich als Ministerpräsident gewählt. Es ist ein Tag der Entscheidung, der das weitere Schicksal der Türkei bestimmen wird. Es ist eine Bürgerschaftspflicht, mit seinem freien Willen zur Wahl zu gehen, ganz gleichgültig, wen er oder sie wählt. Unsere Aufgabe ist es, diese Entscheidungen zu akzeptieren. Sie sollen sich grüßen, aber dennoch ihre Stimme abgeben, auch wenn sie wissen, dass sie anderer Meinung sind. Hoffentlich kommt es zu keinen Zwischenfällen.“

Der Vorsitzende der oppositionellen Cumhuriyet Halk Partisi (Republikanische Volkspartei; CHP), Kemal Kılıçdaroğlu, hat zusammen mit seiner Frau Selvi Kılıçdaroğlu in der Çankaya Arjantin Grundschule in Ankara seine Stimme abgegeben und beklagt, die Wahlbedingungen wären „ungleich“ gewesen, obwohl die Wahl selbst in einer großen Aufbruchsstimmung stattgefunden hätte.

Er gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass „diese Wahl zur Entwicklung von Demokratie, Freiheit und einer fairen Basis für Wohlstand“ führen werde.

Parteien gaben sich versöhnlich

Man werde aber, so Kılıçdaroğlu, „weiterarbeiten, mit einem Sinn für Verantwortung“. Auf die Frage nach Unregelmäßigkeiten sagte er, es habe seines Wissens nach keine gegeben, der Zwischenfall in Diyarbakır habe ihn jedoch „mit Trauer erfüllt“.

Devlet Bahçeli, der Vorsitzende der Milliyetçi Hareket Partisi (Partei der Nationalen Bewegung; MHP), gab seine Stimme in der Çankaya Anıttepe Sekundarschule in Ankara ab.

„Ich erbitte von Gott, er möge zulassen, dass diese Wahlen Nutzen für die 20 Parteien, ihre wertvollen Kandidaten und die 165 unabhängigen Kandidaten bringen“, erklärte Bahçeli. „Ich hoffe, diese Wahlen bringen gute Ergebnisse für unser Volk.“

Der stellvertretende Vorsitzende der prokurdischen Halkların Demokratik Partisi (Demokratische Partei der Völker; HDP), Selahattin Demirtaş, hat bereits zuvor seine Stimme in Istanbul abgegeben. „Wir hoffen, dass es zu einem Ergebnis kommen wird, das zum zivilen Frieden in der Türkei beitragen wird, und dass Frieden, Freiheit und Demokratie herauskommen werden, wenn heute Abend die Wahlurnen geöffnet werden“, erklärte Demirtaş.

Ex-Präsident Gül: „Jeder wird sein Bestes geben“

Der 11. Präsident der Türkei, Abdullah Gül, hat seine Stimme in Istanbul abgegeben und geäußert: „Ich hoffe, die Ergebnisse werden gut für unser Land sein. Jeder hat zum Volk gesprochen, damit das Volk nach einem Wahlkampf, in dem sich jeder Gehör verschafft hat, seine Wahl treffen kann. Ich bin mir sicher, dass jeder sein Bestes für die Zukunft unserer Kinder und unseres Landes geben wird.“

Bis 17 Uhr Ortszeit konnten die Türken noch in 174 240 Wahllokalen ihre Stimme abgeben. Fast eine Million Auslandstürken haben bereits in den 122 Botschaften und Konsulaten gewählt. Erste Hochrechnungen sehen deutliche Verluste bei der AKP, die HDP schafft den Einzug ins Parlament.