„Werden Sie Deutscher“…

Der Kurs, über den berichtet wird, steht exemplarisch für die zahlreichen Programme zum Deutsch und Deutschland kennen lernen, die seit 2005 abgehalten werden. Man kann auch einen Blick in das private Umfeld einiger der Teilnehmenden werfen und es erschließen sich dadurch einige Zusammenhänge zwischen Aufenthaltsstatus, Lebenssituation und Sprachdefiziten.

Die Kursteilnehmer, die im Film, der seit einigen Wochen in ausgewählten Kinos zu sehen ist, genauer analysiert werden, sind motiviert, ihre Lebenssituationen durch den Kurs zu verbessern und vielleicht sogar die deutsche Staatsbürgerschaft zu erlangen. Zum Konzept des Films gehört es, die Erfahrungen dieser Hoffnungsträger zu dokumentieren – erst im Gespräch mit der Regisseurin erfährt man, dass diese Bemühungen nicht selten scheitern und auch einige Deutschland wieder verlassen, weil sie es eben nicht schaffen, ihre Deutschkenntnisse merklich zu verbessern und damit auch gleichzeitig ihre Berufsaussichten.

Besonders interessant und zur Selbstreflexion einladend sind die Passagen, die zeigen, was als Deutschlandbild und deutsche Kultur schlechthin vermittelt wird. Dabei entlädt sich so manch peinliche Feststellung in Gelächter. Dies gelingt, ohne die Menschen vorzuführen – weder die Kursteilnehmer, noch die Lehrkräfte, die als schlecht bezahlte Honorarkräfte mit viel Engagement mal mehr, mal weniger sinnvolle Inhalte vermitteln müssen.

Gut gemeint, aber…

So stellt sich die Frage, ob das Hören der deutschen Nationalhymne nicht als antiquiert erscheint, auch wenn sie zumindest im Zusammenhang mit internationalem Fußball hin und wieder eine Rolle spielt. Andere Inhalte sind mal mehr, mal weniger lebensnah. Neben der durchaus geschätzten Pünktlichkeit wird die Konfrontation mit deutscher Bürokratie in einem realen Beratungsgespräch zur Konzessionsvergabe für Gaststätten auf amüsante Weise deutlich gemacht. Da hat man schon als deutscher Muttersprachler Schwierigkeiten, dem vorgegebenen Prozedere zu folgen.

Der Integrationskurs spielt sich aber nicht nur in den Räumen einer Volkshochschule ab, sondern auch im Bundestag sowie in Museen – vornehmlich zur deutschen Geschichte. Angeblich sind die Angebote so konzipiert, dass sie sich auf das Niveau der Teilnehmenden einstellen – was bei der großen Heterogenität der Gruppen schon theoretisch als schwierig erscheint, sich aber im Praxistest umso mehr als glatte Fehleinschätzung entpuppt.

Durch die Begleitung eines Kursteilnehmers und seiner Frau, denen man eine Scheinehe unterstellt, wird fast beiläufig verdeutlicht, mit welchen Schwierigkeiten Ausländer konfrontiert werden, die offensichtlich von Behördenseite nicht gewollt sind – im konkreten Fall ein junger Mann aus Bangladesch, dem nach zweijähriger Ehe die Abschiebung droht. Der Film endet hoffnungsvoll – mit der feierlichen Verleihung der Urkunden nach bestandener Prüfung der wenigen Teilnehmer, die den gesamten Kurs durchgehalten haben. Ob sich die damit verbundenen Hoffnungen bestätigen, bleibt ebenso offen wie die Zukunft der Kurse – und natürlich ist von einem „beiderseitigen Integrationsprozess“ keine Rede.

Der Film läuft seit 25.04. in zahlreichen Kinos und wird zeitnah im ZDF ausgestrahlt werden. Weitere Infos auf www.werdensiedeutscher.de.